Swarovski EL 8×32 & EL 8,5×42 – Ein Größenvergleich

EL42-EL32-Okularseite-DSC06663_2_2Beim Warten auf das “Erscheinen” des schon länger angekündigten SWAROVISION habe ich noch einmal in meine fotografischen Aufzeichnungen gekramt um mir die Frage zu beantworten, welche Vorteile ein 42er Fernglas gegenüber meinen momentanen “Liebling” Swarovski EL 8×32 WB denn nun wirklich haben könnte.

Schon vor mehr als einem Jahr hatte ich mich bereits für eine Neuanschaffung interessiert und die Gelegenheit ergriffen, zwei Modelle von Swarovski im Vergleich mit meinem vorhandenen Trinovid 8×32 B für ein paar Stunden auzuleihen, ins frei Gelände zu fahren und dort einen kleinen Test anzustellen.

Natürlich fing es zeitgleich mit dem “Auspacken”  der Gläser zu regnen an und da ich bei Leihgeräten die selbe pingelige Sorgsamkeit an den Tag lege wie bei eigenen Dingen, habe ich mich während des Schauers lieber ins Auto gesetzt und ein paar “dokumentarische” Vergleichs-Fotos geschossen.

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Neben den beiden ELs kommt einem das alte Trinovid nahezu winzig aus. Kein Wunder, daß ich mich entschieden habe, das gute Stück niemals abzugeben, denn mit seiner dezenten schwarzen Belederung wird es uns sicher noch einige Jährchen “unauffällig” zu diversen Veranstaltungen  begleiten, bei denen fehlende Wasserdichtigkeit kein Problem darstellt. Die desolaten Augenmuscheln wurde übrigens nach den Fotos – dank eines erstklassig funktionierenden Leica-Kundendienstes – ausgewechselt, so daß der Oldy “fast neu” aussieht.

Da muß man gar kein Millimeterfuchser sein, um die Unterschiede zu erkennen. Während das alte Trinovid mit den ca. 480 Gramm Gewicht nahezu “filigran” wirkt, ist das EL 8×32 mit 610 Gramm bereits ein “beachtliches Gerät” … das EL 8,5×42 dagegen ist schon eine “echte Hantel”, was bei immerhin 820 Gramm kaum wundert.

Man muß sich bereits in diesem Moment die Frage stellen: “Will ich so einen Klotz mit mir herum schleppen”?

Oder besser: “Muß ich wirklich das 42er Ausführung wählen, um meine Aufgabenstellung erfüllens zu können?”

Der Leser meines Blogs wird mittlerweile wissen, das ich mich später für das kleinere EL 8×32 entschieden habe, denn es ging  ja gezielt um ein “Universalgas für Beobachtung bei Tageslicht zum immer dabei haben”.

Die Erfahrung mit “optischem Gerät” der vergangenen Jahre hatte eindeutig gezeigt, daß man sich (ich mich) ungerne mit Ballast abschleppt, wenn man garnicht weiß, ob sich die Plagerei überhaupt lohnen wird bei einem Spaziergang oder Tagesausflug ohne ornithologischen Hintergedanken. Das deutlich “kompaktere” Leica Ultravid 8×32 kam wegen der recht “unsauber” arbeitenden Dioptrienverstellung und des knappen AP-Abstandes für mich nicht in Frage.

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Natürlich war das EL 8,5×42 gegenüber seinem kleinen Bruder in einigen Fällen deutlich überlegen. So war das Einblickverhalten gravierend besser. Nicht nur der größer Austrittspupillen-Durchmesser machte es einfacher, den passenden Durchblick zu bekommen, kleine Unachtsamkeiten werden einfach besser überspielt. Ich hatte das Gefühl, näher am/im Glas zu sein, was wohl an dem größeren AP-Abstand zu verdanken ist. Im Wald dann, unter einem dichten Laubdach und entsprechend wenig Licht, ist das 42er Glas unbestritten Sieger, wenn es darum geht, durch die Objektive möglichst viel Licht “einzusammeln”. Die um ca. 70% größere Öffnung bringen dann natürlich so Einiges an Feinheiten , die man mit dem 32er nur noch erahnen aber nicht mehr auflösen kann.

Auf der Minusseite lagen aber neben größerer Abmessung und Gewicht die (für meine Hände) weniger passende Haptik. Wenn ich, wie auf allen Fotos vorgenommen, den richtigen Augenabstand eingestellt hatte, dann war der Vorteil der offenen Knickbrücke bei “meinem” EL 8×32 deutlicher merkbar als bei der 42er Variante. Durch den größeren Tubusdurchmesser des EL 42 wird es eben zwangsläufig etwas enger zwischen beiden Rohren. Wer allerdings über grosse Hände verfügt, mag wiederum Probleme mit zu geringem Abstand zwischen den Knickbrückenhälften des EL32 haben… man muß das einfach selber testen.

Auch gefielen mir die etwas sanfteren Übergänge der Daumenmulden besser… aber dieser Aspekt mag wohl eher philosophischer Natur sein. Ich empfinde das kleine EL 8×32 jedenfalls als perfekten “Handschmeichler” mit höchstem optischen Potential. Ideal für Beobachtungen bei guten bis mittleren Lichtverhältnissen .

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Betrachtet man sich beide ELs einmal von der Frontseite, wird einem schnell klar, bei soviel Glaseinsatz müssen die Gläser ein paar Gramm mehr auf die Waage bringen, als man sich idealerweise wünschen würde.

Vergleicht man dann die schlanker wirkende Form der neuen SWAROVISION (vollkommen virtuell, anhand der Fotos aus dem Internet) gegen die EL Serie, könnte ich mir schon vorstellen, daß man in Absam nicht nur an der Optik reichlich gefeilt hat, sondern auch an der Haptik einiges getan hat, um auch dort einigen Boden gut zu machen.

Auf jeden Fall bleibt es spannend und ich werde die früheste Möglichkeit nutzen, mir die SWAROVISION einmal aus der Nähe anzusehen… durchzusehen… und insbesondere das Handling kritisch zu begutachten.
Denn bei so einem Preis MUSS einfach ALLES passen, oder?

EL 42 SWAROVISION – Nun kommen sie endlich

Geglaubt habe ich nicht daran, aber jetzt ist es doch bald soweit, das SWAROVISION kommt im Januar 2010.

Swarovski EL 8,5×42 SWAROVISION – copyright by swarovskioptik.atIch hätte keinen Pfifferling darauf gewettet, nach dem merkwürdigen Verhalten des Herstellers im vergangenen Jahr. Nach riesigem Werbeaufwand in 2008 waren die neuen Modelle zunächst auf einigen Messen gesichtet und vom kritischen Fachpublikum für ausserordendlich gut befunden worden, dann aber waren sie wie von Zauberhand wieder vom Markt verschwunden. Grosse Aufregung in allen nationalen und internatioalen Fernglasforen, absolut verständlich.
Aber keine wirkliche glaubwürdige Aussage über den Grund dafür von Swarovski selber.

Das recht fadenscheinige Argument, man müsse an der technischen Umsetzung noch arbeiten um in der Serie eine ausreichende Wiederholgenauigkeit garantieren zu können, halte ich für “mittelmäßig gut erfunden”.

Zusammen mit der Tatsache, das Nikon seine zeitgleich beworbene EDG-Serie lediglich in USA auf den Markt gebracht hat und innerhalb Europas nicht einmal der Schatten eines EDG auftaucht ist, läßt mich stark vermuten, daß man zwischen den beiden Firmen einige patentrechliche Probleme hatte, die man auf dem kleinem Dienstweg zu lösen gedachte. Allein der mechanische Aufbau der EDG mit der offenen Brücke und der typisch “alpinen” Art der Innenfokussierung mit integriertem Dioptrienausgleich läßt mich nicht zweifeln.

“Ihr verkauft die bereits fertiggesstellten Modelle der EDG Serie nicht in Europa, und wir ziehen unsere neuen SWAROVISION noch ein Jahr zurück, abgemacht.”

Gesichtsverlust wird so vermieden, die Fans beider Marken werden schon geduldig warten… eine elegante Sache.
So hätte ich’s wohl auch gemacht!

Nun aber soll es ab Januar 2010 soweit sein und die “Supergläser” kommen endlich auf den Markt.

Wenn ich mir vorstelle, in wie vielen Haushalten nun die Ehemänner um Argumente ringen, wieso das “alte Glas” doch einige “unschöne” Mängel aufweist und man deshalb bereits in wenigen Wochen einen nicht unerheblichen Geldbetrag für das neue Fernglas aus der Haushaltskasse dringend benötigt… muss ich einfach schmunzeln.

Wieso?

Auch ich habe mir eine virtuelle Liste bereitgelegt, auf der Punkte zusammengetragen werden, um die Freigabe des Geldbetrages für so ein schnuckeliges SWAROVISION noch vor den Weihnachtstagen zu beantragen.

Also Männer, viel Glück dabei ;-)

PS

Um die langen Wochen bis zum Erscheinen des neuen Glases leidlich zu überbrücken, hier noch eine Adresse zum gelegentlichen Nachschlagen : Das SWAROVISION zum “Nachlesen und Träumen”…

Swarovski EL 8,5x42 SWAROVISION

Swarovski EL 8×32 – Sommerurlaub & Kraniche live

SwaroEL8x32WB-DP1030430_2Selten hatte ich die Sommerferien so herbei gesehnt wie in diesem Jahr, denn wenn “Jungens” ihre neuen Spielzeuge ausprobieren möchten, dann am besten im Urlaub, mit genügend Muße und ohne Hektik. Dieses mal passt alles zusammen.

Das neue Fernglas war ja schon bei heimischen Spaziergängen zum ständigen Begleiter geworden und natürlich auch im eigenen Garten immer griffbereit, um ja keine Gelegenheit zu verpassen, Natur und Tierwelt zu beobachten.

Das ausgerechnet in diesem Jahr die Deutsche Ostseeküste unser Zielgebiet war und die Ferienwohnung auch nur “wenige Schritte” entfernt sein würde von einem der wenigen Schauplätze in Deutschland, an dem man Kraniche live erleben kann, das war zwar Zufall… aber ich hatte absolut nichts dagegen einzuwenden.

Natürlich führte dann auch eine unserer ersten “Expeditionen” vom Feriedomozil Prerow, inmitten des Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gelegen, zum Kranich-Informationszentrum nach Groß Mohrdorf. Schon der Anfahrtweg über lange Alleen und Kopfstein gepflasterte Straßen, war ein “Erlebnis”.
Natürlich wären auch die Zufahrt über Asphalt möglich gewesen, aber “man gönnt sich ja sonst Nichts”!

In der kleinen “Ausstellung” mit leider nur wenigen Exponaten (hier wären Spenden hilfreich) wartete dafür aber ein sehr engagierter Biologe/Ornithologe/Naturschützer auf uns, um uns über einige der  Geheimnisse um Kraniche und deren Verhalten zu informieren. Eine anschließende Filmvorführung zum Thema, stimmte uns vollends auf die besondere Faszination dieser eleganten Großvögel und deren Beobachtung ein.

Eingedeckt mit reichlich Informationsmaterial und 2 wundervollen Bildbänden, fuhren wir dann eine der Beobachtungsstationen an, die in der Nähe des Informations Zentrums errichtet worden waren.

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Um der Allgemeinheit diese einmaligen Tiere näher zu bringen und für die Erhaltung der Natur zu sensibilisieren, sind Beobachtungsplattformen incl. Parkmöglichkeit unmittelbar in Straßennähe errichtet worden, leicht per PKW zu erreichen, denn der interessierte Urlauber soll es möglichst bequem haben. Aber auch die Kraniche sollen so wenig wie möglich durch Besucher gestört werden. Wenn auch ein grosses LEICA Logo auf der Plattform prangte, so war das nicht als Verbotsschild zu verstehen, sondern eher als Hinweis, wer sich an den Kosten für die Errichtung finanziell beteiligt hat. Einige Besucher waren schon vor uns da und informierten unaufgefordert die “Neuen” über lohnenede Blickrichtunen.

Kraniche sind besonders empfindlich und eine sehr hohe Fluchtdistanz von 250-300 Metern sind normal. Entspechend war mit dem blossen Auge auch absolut nichs zu entdecken. Doch da, einge dunkele Punkte… flux das Swaro ausgepackt und die weiten Stoppelfelder “abgescannt”… und tatsächlich, mehrere Gruppen von jeweils 10-20 Tieren fanden sich nach einiger Suche in leichten Mulden der beobachteten Fläche.

Anfang September, das war uns schon klar, da war nicht viel mehr zu erwarten! Der “Schwung” kommt erst später im Oktober und November, wenn bis zu 40.000 Tiere zeitgleich in diesem Gebiet ihren Zwischenstopp einlegen um Kraft für den Weiterflug in ihre Zielgebiete zu sammeln.

Das Sarovski EL 8×32 WB mit seinem grossen Sehfeld (140m/1000m) war besonders hilfreich um die riesigen Felder abzusuchen und Gruppen schnell zu erfassen. Neben uns auf der Beobachtungsplattform hatte ein Niederländischer Kranichfan sein Leica Duovid 10+15 x 50 im Einsatz! Schon interessant, denn die große Vergrößerung bringt doch so Einiges… wenn man die Tiere erst einmal ausgemacht hat! Aber ohne Monopod war da garnichts zu machen und so gesehen als Universalglas ungeeignet. Als “Zweitglas” allerdings… na das wäre schon was. Mal sehen, wie sich das neue Hobby entwickelt… vielleicht sollte ich wirklich  LOTTO spielen.

Wenn wir im Laufe des Urlaubs unsere “Tages-Expeditionen” beendeten, dann so, daß wir gegen 19:00 Uhr an einer der “sicheren” Beobachtngsstelle anhalten konnten. So war es uns dann auch möglich, einige größere Kanich-Gruppen von 60-100 Tieren zu beobachten, die von den Stoppelfelden kommend, zur Abendstunde ihre sicheren Übernachtungsstellen im seichten Wasser des Boddens anflogen. Mit einem “Heidenspektakel” zogen sie mit gemächlichen Flügelbewegungen über uns hinweg, um dann fast taumelnd und mit hängenden Fahrwerken die Landung im flachen Wasser vorzubereiten. Per Fernglas wunderbar zu verfolgen für uns ein einmaliges Erlebnis.

Aber auch am Strand – egal ob Vogelbeobachtung oder Kite-Surfer in rasanter Fahrt, das DLRG-Team beim Üben oder ein schlanker Katamaran auf einer Kufe, nahe an der Kippgrenze – das SWARO war immer im Einsatz.

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Ja, ja, der albene Hut… wer lacht da? Aber die Sonne ist schon immer mein Feind gewesen und die recht gezielten “Bombenabwürfe” der Möwen, die insbesondere in Strandnähe sehr überraschend erfolgten, zwangen mich zu dieser wenig extravaganten Schutzmaßnahme ;-)

Wenn ich nun zurückblicke auf den Urlaub und mir die Frage stelle, war die Wahl gerade dieses Fernglases die richtige, oder wäre eine 10fache Vergrößerung oder eine 42er Variante doch besser geeignet gewesen, so muß ich ganz klar sagen: Das Swarovski EL 8 x 32 WB war für mich genau die richtige Entscheidung!

Denn – um es immer dabei zu haben – ist ein leichtes 32er Kaliber wegen des eigesparten Ballasts genau passend. Die 42er Alternative wäre immerhin ca. 33% schwerer gewesen und das ist garnicht so ohne!

Dazu die nahezu ausschließliche Beobachtung bei guten Licht… auch hier, kein Nachteil mit dem “klein” Glas.

Die 10fache Vergrößerung mit ihrem kleineren Sehfeld wäre beim Abscannen der Stoppelfelder eher ein Nachteil gewesen und auch die Erfassung und Beobachtung größerer Gruppen fällt mit dem “Breitwandformat”  der 8fachen Ausführung deutlich leichter. Auch wäre bei dem oft sehr böigen Wind am Strand, bei dem man fast umgeworfen wurde, durch die kleinere Austrittspupillenöffnung des 10ers keine ruhige Beobachtung möglich. Dann die altersbedingte stärkere Zitterneigung, die schon nach wenigen Sekunden einsetzt und mit dem 10er kein ruhige Beobachtung mehr zuläßt.

Die besondere Haptik des Swarovski EL, mit seinem typischen Durchgriff endlich, ermöglichte eine Beobachtung sogar dann, wenn es geboten war, sich wegen der stürmischen Winde, möglichst mit einer Hand festzuhalten. Selbst einhändig ließ sich das SWARO EL 8×32 WB immer noch wunderbar halten und selbst ein Nachjustieren der Entfernung mit dem Zeigefinger, ist kein Problem… erst nach 5 Minuten ging mir dann doch “die Puste” aus.

Ich bin somit sehr zufrieden und genauso begeistert mit meiner Entscheidung für das SWAROVSKI 8×32 WB wie am erste Tag.

PS

Zugegeben, andere Mütter haben auch schöne Töchter… und wahrscheinlich wäre ich mit einem anderen der “grossen” Logos auf dem Fernglas ebenso zufrieden gewesen. Zumindest aber habe ich die Bestätigung dafür bekommen, daß ein 8×32 als Universalglas die ideale Lösung für meine Tagesbeobachtungen ist.

Warten wir ab, in den kommenden Monaten wird die Dämmerung deutlich früher hereinbrechen, wer weiss, ob ich nicht dann schon wieder in den Katalogen Blätter… bei der 42er oder gar der 50er Fraktion ;-)

Der/Das Virus “Binocularitis brutalis” ist eine wirklich gefährliche Geißel der Menschheit… aber so ein Risiko hat mich schon immer besonders gereizt…

Zeiss Victory 8×32 T* FL : Auf der Suche nach dem Gral

Zeiss Victory 8x32 FL - FrontlinseWenn man begonnen hat, sich mit dem Thema Fernglas zu beschäftigen, wird man spätestens nach dem Besuch des Forums der Firma Jülich-Bonn von einem Virus befallen. Dieser Virus “Binocularitis brutalis” ist dazu noch mit einer besondern Eigenschaft behaftet, die ihn äußerst gefährlich macht, sowohl für den Betroffenen als auch seine nähere Umgebung. Die in kürzester Zeit entflammende Krankheit bemächtigt sich des Befallenen voll und ganz. Selbst leicht betroffene Patienten werden innerhalb von 8-14 Tagen die Neuanschaffung eines “lange überfälligen” Fernglases der gehobenen bis oberen Preisklasse planen und realisieren!

Die “schlimmeren Fälle” aber – und das ist die Mehrzahl – lassen nicht locker, bis neben dem Universalglas für jedes Familienmitglied auch ein Spezialglas zur Himmelsbeobachtung sowie ein Spektiv mit Vario-Okular, ein bombenfestes Carbon-Stativ und eine Digital-Kamerausrüstung mit allen erforderlichen Adaptierungen im Hause ist.

Ich befürchte, zu der zweiten Gattung zu gehören :-( Zumindest scheint es so, wenn man die Höhe des Katalogstapels bedenkt, den ich ständig mit mir herum schleppe.  Ein Teufelsvirus, der auch noch Spaß macht!

Nach dem Kauf des erstklasigen Swarovski EL 8×32 WB vor einigen Wochen hatte ich mir ja bereits das ebenso verlockende Kowa Genesis/Prominar 8×33 angesehen… allein der anstehend Sommerurlaub hatte mich noch so eben vor dem Kauf zurückschrecken lassen.

Nun scheint die nächste Welle der Kranheit hochzuschwappen – vergleichbar mit den heimtückischen Malariaanfällen – der nächste Kandidat steht vor der Tür… nein genauer gesagt, ist bereits im Hause. Schuld ist die Firma Zeiss, die mit ihrere Aktion: “Leihen dir doch einfach mal ein Victory FL für ein paar Tage aus…”, dem Virus neue Nahrung bietet.

OK, ich habs also getan und 3 Tage lang das Zeiss Victory 8×32 T* FL “getestet”.

Zeiss Victory 8x32 FL - Swarovski EL 8x32 WB -- Groessenvergleich

Auf den ersten Griff ein bildhübsches Glas, was durch seine ca. 20 mm kürzere “Baulänge” und das um ca.  60 Gramm geringere Gewicht sofort ins Herz geschlossen werden muss. Dazu gut ausbalanciert und ein sehr gutes Einblickverhalten. Obwoh beide Gläser fast identische Werte für den AP-Abstand angeben, hat man beim Victory Reserve und kann die Augenmuschel einige Millimeter herausdrehen. Das geht wegen der sehr präzise arbeitenden 2 Zwischen-Raststellungen wunderbar. Zu meiner Brille “passt” exakt die erste Raste, die sich auch nicht löst, wenn man das Glas wiederholt mit Okularabdeckung versehen in der Corduratasche verpackt.

Zeiss Victory 8x32 FL - mit OkularschutzZeiss Victory 8x32 FL - Okularstellung 0 - 0Zeiss Victory 8x32 FL - Okularstellung 1 - 2Zeiss Victory 8x32 FL - Okularstellung 0 -3

Die Fokussierung ist dagegen beim Swarovski unschlagbar leichtgängig und selbst wenn das Glas mit einer Hand bedient werden muß, so läßt es sich auf Grund der offenen Knickbrücke unerreicht leicht halten und fokussieren.

Die optischen Qualitäten sind nahezu gleichwertig, wobei mal der eine mal der andere die Nase geringfügig vorne hat… aber nur um winzige Millimeter! Einen Kaufentscheid muß jeder nach eigener Bewertung treffen.

Der Versuch, dieses sehr schöne Victory der besten Ehefrau von allen noch vor dem Urlaub “nahe zu bringen” sollte nach diesem Test allerdings vollkommen fehlschlagen :-(

Zeiss Victory 8x32 FL - Leitz Trinovid 8x32 BNein, es lag nicht an den optisch/mechanischen Daten, das sei besonders betont. All die Werte wurden ausdrücklich und bewundern zur Kenntnis genommen und – ohne mehrfaches Nachfragen – entsprechen gewürdigt. Es war eine reine Frage der Haptik.

Zugegeben hat die Dame meines Herzens sehr kleine Hände und verglichen mit dem bisher favorisierten Leitz Trinovid 8×32 B in schlankem Lederoutfit und mit lächerlich geringen 480 Gramm auf der Waage, kann das deutlich “bulliger” wirkende Zeiss Victory 8×32 T* FL im Gummikleid mit griffigen Längsrippen nicht punkten. Das Foto links zeigt den merklichen Unterschied im Durchmesser, was soll man machen?

Zeiss also nur ein Glas für richtige Männer?

Eher könnte sie sich wohl mein Swaro vorstellen… wenn das Gewicht nicht wäre und ich es “freiwillig” hergeben würde !

Ich befürchte, da ist tatsächlich nur eine Lösung gangbar… wenn der nächste Schub der “Binocularitis brutalis” ausbricht, werde ich – Wohl oder Übel – auch das Leica Ultravid 8×32 HD noch ins Haus holen müssen, für einen näheren Vergleich. Zumindest nach dem Papier hätte man da einen Kompromiss zwischen elegater, schlanker Form und “ertäglichem” Gewicht. Wenn nur der AP-Abstand zur Brille “passt”.

Warten wir also ab, was der Virus macht… und ich werde noch mal kurz im Forum stöbern, OK?

PS

Gerade habe ich – schweren Herzens – das Victory zurückgebracht. Irgendwie hat man einfach zu wenig Geld übrig, für solche schönen Spielereien. Ich glaube, ich muß mal wieder Lotto spielen ;-)

Bei der Gelegenheit habe ich natürlich schnell mal einen kritischen Blick auf und durch das angesprochene Ultravid geworfen. OK, was sollte ich denn machen, das stand da einfach so “rum”? Entweder ich bin durch den Virus vollkommen entscheidungsunfähg geworden, oder das kleine Ding ist wirklich “nicht ohne”.
Bei der HD Variante scheint man an der Fokussiermechanik wohl endlich modifiziert zu haben. Bei dem Probeglas war nahezu kein Schleifgeräusch beim Fokussieren mehr zu bemerken, ein kontruktiver Fehler, der mich seit der Markteinführung der Ultravid-Serie immer enttäuscht vom Kauf zurückgehalten hatte…

Ganz schön bunt hier… Optische “Beschichtungen”

Als ich mit der Fotografiererei anfing, war der Begriff “Vergütung” und “reflexmindernde Beschichtung” auf der Verbraucherseite noch nicht so in aller Munde, wie heute. Als ich dann aber mein erstes Leitz Fernglas anschaffte, hatten gute Fabrikate eine blaue-violette Beschichtung zu besitzen, dann war es die GUTE Variante und irgendwann zogen andere Hersteller nach.

Verrückt ist es ja schon und für den “normalen” Menschen ohne 8 semestriges Studium der optischen Physik kaum verständlich, daß etwas “durchsichtiger” werden soll, wenn man was farbiges draufschmiert, oder? Vor 25 Jahren hätte ich mich wahrscheinlich noch unruhig gefragt: wieso, weshalb, warum?

Heute sehe ich die Sache wesentlich gelassener. Sollen die doch draufschmieren was sie wollen, hauptsache ich bekomme einen guten “Durchblick” geboten. Der von mir sehr verehrte Herr Walter E. Schön würde das sicher nicht so einfach hinnehmen und eben diese Fragen stellen… und beantworten. Höchst  wahrscheinlich würde er mir aus dem Stehgreif mindestens 3 DIN A4 Seiten herleiten können, welches heute die RICHTIGE Farbe ist.

Schade das ich nicht in München wohne, ich würde einfach bei ihm vorbeischauen und fragen… denn das Kapitel “Beschichtung und Vergütung von optischen Gläsern”… hat er sicherlich schon als Konzept für sein Fernglasbuch auf dem MacBook abgespeichert.

So begnüge ich mich einfach mit einem Blick auf die Frontlinsen und freue mich am “schönen Farbenspiel” :-)

Leitz Trinovid 8x32 B - FrontlinseZeiss Victory 8x32 FL - FrontlinseSwarovski 8x32 EL - Frontlinse