MINOX BL 8×44 NEU – Unser neuer Urlaubsbegleiter…

http://lx3.peperkorn-online.de/wp-content/uploads/2009/12/MINOX-logo.gifJeder braucht sein eigenes Fernglas“, zu diesem Entschluss waren wir nach kurzer Diskussion, wenige Wochen vor unserem Sommerurlaub gekommen! Aber bitte keins der Alpha-Klasse, denn die Kosten hätten unser eingeplantes Jahresbudget erheblich überschritten.
(Nur einen Tag nach dem Eintreffen des Fernglases zeigte sich diese Sparmaßnahme als absolut richtig, als meine Brille einen “Totalschaden” erlitt und schnell mal ein guter Tausender für eine neue zwingend notwendig wurde!)

Warum es ausgerechnet das MINOX BL 8×44 NEU wurde, habe ich ja bereits geschildert. Hier soll es nun darum gehen, welchen Eindruck wir von dem guten Stück hatten und wie es sich beim Einsatz im Sommerurlaub geschlagen hat. Natürlich ist diese hier beschrieben Meinung vollkommen subjektiv (wie könnte es anders sein) und jeder Fernglasinteressent tut grundsätzlich gut daran, sich vor Anschaffung ausreichend zu erkundigen und möglichst die in Frage kommenden Alternativen persönlich in Augenschein und in die Hand  zu nehmen, um die für Ihn richtige Entscheidung zu treffen. Vielleicht können aber die aufgezählen Fakten ein Anhalt sein, einige Punkte besonders unter die Lupe zu nehmen.

Als Vergleichsglas stand unser Swarovski EL 8×32 zur Verfügung, was zwar sowohl in einer anderen Preis- als auch in einer unterschiedlichen “Hubraumklasse” läuft… aber so konnten wir gleich sehr schön überprüfen, inwieweit sich die Einsatzgebieter beider Aspiranten unterscheiden… oder auch nicht!

Das MINOX BL 8x44 war während des Urlaubs immer "am Mann"!

Wegen des größeren Gewichts hatte meist ICH das Vergnügen, die neue Errungenschaft am Hals zu haben.

Um es gleich vorweg zu nehmen… das MINOX BL 8×44 NEU war wirklich immer dabei. Ständig auf der Suche nach Motiven, die sich zur vergrößerten Beobachtung lohnten. Auch wenn es beim Fotografieren von Makro-Objekten doch manchmal etwas im Weg war, es war ständig “betriebsbereit”. Man weiss nie, was einem über den Weg läuft!

Auch bei der “steifsten Briese” war ein schnelles Finden und Halten der Objekte im Fokus kein Problem. Die mit 5,5 mm sehr bequeme Austrittspupille war hier ein deutlicher Vorteil gegenüber den 4 mm des Swarovski EL 8×32! Das hatten wir uns bisher “rein theoretisch” nicht vorstellen können!

Aber fangen wir doch besser “von vorne” an… What is in the box?

Wenn alle Entscheidungen getroffen sind und das Paket per Internet auf seinem Weg “begleitet” werden kann, ist man sehr gespannt, was einen tatsächlich erwartet. Und natürlich ist man in dem Augenblick, wenn der “Postmann 2 mal klingelt” bereits mit einem frisch abgezogenen Carl-Schlieper Taschenmesser bewaffnet, um das MINOX möglichst schnell aus seiner dunklen Papphülle befreien zu können, so auch hier.

Das Paket ist angekommen Aaahhh das sieht doch schon einmal GUT aus

Wollen wir doch mal genauer nachsehen, was MINOX uns da ins Körbchen gelegt hat…

MINOX BL 8x44 - Der KartoninhaltReichlich schützendes Papier im Versandpaket um die typisch schwarze Kartonage mit dem roten  Schriftzug… bloss weg damit und dann lass endlich sehen MINOX, im Internet machtest du ja schon einen guten Eindruck.

Wie erwartet, finden sich die üblichen “Verdächtigen”, die heute bei einem guten Fernglas einfach dazu gehören:

  • 1 Schutztasche aus Nylongewebe
  • 1 Nylontragriemen mit Neoprenmittelteil
  • 1 Okularschutzdeckel mit elastischem Verbindungsstück
  • 2 Objektivschutzdeckel
  • 1 Bedienungsanweisung (3 sprachig)
  • 1 Antwortkarte (3 sprachig)
  • 1 Qualitätskontrollschein (7 sprachig)
  • 1 Optikputztuch


Schon auf den ersten Blick recht klein die Schutztasche, da soll ein 44er drin sein? Tatsächlich, keine Mogelpackung, aber recht eng eingezwängt ich das BL 8×44 BR in seiner schlanken Schutztasche.

Der erste Eindruck beim “Anheben” des dezent gekleideten Schwarzen: “Uiii, ganz schön schwer!”
Erster Eindruck beim “Ansetzen” ans Auge: “Uiii, ganz schön hell!”

Dann ein Blick in die technischen Daten der Bedienungsanleitung… oh ja, sehr vielversprechend, deshalb und der Vollständigkeit wegen natürlich auch nachfolgend wiedergegeben.

Technische Daten des Herstellers (und die nachgemessene Werte)

Vergrößerung:        8 x
Eintrittspupille:    44mm
Austrittspupille:    5,25mm ( Sollten 44/8 nicht eigentlich 5,5 ergeben? )
Sehfeld:             136m / 1.000m
Pupillensehweite:    19,5mm
Nahbereich:           2,5m
Fehlsichtigkeitsdifferenzausgleich: +/- 4 dpt
Dämmerungskennzahl:  18,8
Funktionstemeratur:  -10 - +50° C
Wasserdicht:         Ja, bis 5m
Höhe, Breite, Tiefe: 133mm x 53mm x 150mm (ich sage dazu: 150mm x 133mm x 53mm)
Gewicht:             740g ( nachgewogen: 760g - mit Tragriemen und Okularschutz: 800g )

Tragriemen

Leute, Leute, was habt ihr euch dabei bloss gedacht. OK, ein Neopren Tragriemen ist es schon, aber von den Abmessungen für das nicht ganz leichte BL 8×44 NEU doch etwas unterdimensioniert. Tatsächlich ist die Riemenbreite etwas größer und der Breite der Tragösen angepasst, aber der Auflagebereich aus elastischem Material ist absolut identisch mit dem des wesentlich filigraneren BV 8×25 ?

Schlägt man bei Exkursionen eine intensivere Gangart an, wird das BL 8x 44 so in vertiale Schwingungen versetzt, dass man dem des öfteren mit der Hand Einhalt gebieten muss. Auch die Breite könnte zugunsten einer geringeren Flächenpressung und besseren Gewichtsverteilung ruhig 1-2 cm größer ausgefallen sein. Der geschundenen Nacken würde es danken. Die Riemenlänge könnte um einige Zentimeter größer ausfallen, damit man sich die Einstellung je nach Tragweise des Glases den eigenen Wünschen besser anpassen kann.

Bedenken, das “Fliegengewicht” könne reissen, wurden im Urlaub zwar nicht Wirklichkeit, aber bereits nach dem ersten strammen Fussmarsch wurde die Entscheidung getroffen: Da muss etwas besser geeignetes her!

Schutztasche

Die beiliegende Tasche aus Nylongewebe hat keinen separaten Tragriemen  jedoch eine Gürtelschlaufe, ist allerdings nicht oder nur sehr gering  gefüttert; viel zusätzlichen Schutz kann man hier also nicht erwarten. Wahrscheinlich ist MINOX davon überzeugt, dass ihr BL 8×44 durch die Gummiarmierung ausreichend gegen alle Unbillen des täglichen “Forscherdaseins” geschützt ist (wir haben ebenfalls diesen Eindruck) und hat auf mehr Pufferung verzichtet. Allerdings sind die Innenabmessungen so knapp bemessen, dass beim Verstauen des Glases  jedes mal die Augenmuscheln eingedreht und die Knickbrücke auseinander geklappt werden muss, das ist – freundlich ausgedrückt -”suboptimal”.

Wir haben deshalb ganz auf die Mitnahme dieses Tasche verzichtet und lieber die passende Version eines Zeiss Victory 8×42 bemüht, welche die ihr zugedachte Aufgabe deutlich komfortabler erledigt hat.

Okularabdeckung

Nicht die genialste Lösung, trotzdem hat der einteilige Regenschutz während unseres 3 wöchigen Urlaubs seinen Job ohne Probleme erledigt. Durch die weich ausgeführte Gummimischung ist die Abdeckung nahezu “geräuschlos, wenn auch etwas fummelig zu verwenden, ist aber “akzeptiert”.

Die vorgesehene Befestigungslasche haben wir allerdings nicht wie vorgesehen vorwendet, sonder – wie im Foto zu sehen – uns eines kurzen, separaten Bänsels bedient. Eine “provisorische Urlaubslösung” zwar, aber ausreichend funktionell. So war der Deckel beim Beobachten nicht im Weg sondern “pendelte” mit etwas Distanz vom Okular am Band. Bei einem längeren Tragriemen, wäre diese Behelfsmassnahme nicht erforderlich geworden.

Objektivdeckel

Oha, hier vergeben wir leider nur NULL Punkte. Schon beim Auspacken nach der Lieferung rutchten die “Gummireifen”, die eigentlich die Deckel an den Tuben halten sollen, einfach von den Rohrtuben, wenn man die Deckel vorsicht öffnete… Keinerlei Spannung im Gummi und damit vollkommen ungeeignet, deshalb gleich im Karton belassen und “vollkommen vergessen”.

Hier sollte die Qualitätskontrolle von MINOX unbedingt noch einmal nachhaken, denn das war sicher im Lastenheft für den asiatischen Hersteller anders formuliert.

Mechanische Ausführung und Handhabung

Gewicht

Ist mein bisher ein 32er gewöhnt, kommt einem die angegebenen 740 Gramm (gemessen 760Gramm) des MINOX BL 8×44 NEU zunächst natürlich “gewaltig” vor. Vergleicht man dann den Wert mit anderen Vertretern der lichtstarken Konkurrenz, wird ersichtlich, im Vergleich ist das Minox hier leichter, als die Mitbewerber, keinerlei Grund also, zu meckern. Im Gegenteil!
Es zeigt sich dann nach wenigen Tagen, dass man sich an das Mehrgewicht (gegenüber dem 32er) überrschend schnell gewöhnt. Man greift sofort ganz anders zu, hält das Glas anders in der Hand und bereits nach wenigen Tagen ständiger Benutzung, hat sich der “Klotz” zu einem wirklich nutzbaren und handlichem Werkzeug entwickelt… von “zu schwer” keine Rede mehr.

Knickbrücke

Ob wohl ein Patent oder Gebrauchsmuster ausgelaufen ist, sodass plötzlich weltweit alle Hersteller glauben, diese technisch Lösung umsetzen zu müssen um an dem Erfolg von Swarovski anknüpfen zu können. Verblüffend!
Bei dem Durchmesser der Objektivtuben in Verbindung mit meinem Augenabstand, kommt der in der Werbung vermittelte Vorteil dieser Konstruktion für mich allerdings nicht zum Tragen. Ist der Augenabstand korrekt eingestellt, passt da kein Finger mehr durch den verbleibenden Spalt. Bei größerem Augenabstand mag diese Konstruktion auch bei den lichtstarken Ferngläseren mit grossem “Rohrdurchmesser” tatsächlich Vorteile bieten, mir hilft sie allerdings wenig.
Ich muss aber relativieren, dass dieser Effekt nicht Firmenbezogen ist, sondern wettbewerbs-übergreifend gilt; MINOX ist hier also keineswegs schlechter als andere.

Wieso man aber den unteren Brückensteg eben so hoch dimensioniert hat, obwohl da gar keine Fokussiermechanik integriert ist, bleibt für mich ein Rätsel. Die Designer haben diese Entscheidung wohl getroffen, um eine “ruhigere” optische Wirkung zu erzielen und den Preis, durch identische Bauteile, in Grenzen halten zukönnen. Leider verliert man so etwas Platz, um seine Finger in den Bereich zwischen den Knickbrückenhälften unterzubringen. Schnell hat man sich aber daran gewöhnt und legt nur noch den Ring- und den kleinen Finger in den Zwischenraum, während Zeige- und Mittelfinger über der oberen Brückenhälfte liegen, um das Justierrad zu bedienen.

Wer mit dem MINOX BL 8×44 NEU gerne ein Stativ verwenden möchte, um auch längere Beobachtungen ermüdungsfrei durchführen zu können, der kann nach Entfernen der vorderen Abdeckschraube der Knickbrückenachse einen Stativadapter verwenden, welcher als Zubehör im Lieferprogramm von MINOX vorhanden ist.

Gummiarmierung und Griffigkeit

Das Minox BL NEU ist mit einer schwarzen, sehr soliden “Gummierung” versehen, die dem Glas einen sehr eleganten Eindruck verleiht. Die Formnähte sind perfekt entfernt, die Oberfläche ist absolut reflexfrei und trotz ihrer sehr feinen Narbung wunderbahr griffig. Auch bei längegerer Beobachtung und warmer Witterung liegt das Glas gut und rutschfrei in der Hand. Schmutzspuren lassen sich mit einem feuchten Lappen leicht entfernen. Sehr schön gelöst!

Geruch

Frauen sind da wohl etwas empfindlicher, so bemängelte meine bessere Hälfte einen leichten “chemischen” Geruch beim Auspacken, den ich garnicht bemerkt hatte. Während unseres Urlaubs war aber bereits abzusehen, dass die Zeit und viel frische Luft beim Beobachten das Problem beheben würde. Nach 3 Wochen Urlaub ist – wie erwartet – tatsächlich kein unangenehmer Geruch mehr vorhanden.

Ballance

Wunderbar ausbalanciert liegt das BL 8×44 NEU in der Hand, ganz anders als das vor wenigen Monaten begutachtete SWAROVISION EL 8,5×42, das wegegen seiner Frontlastigkeit von meiner Wunschliste mit grossem Bedauern gestrichen worden war. Der Schwerpunkt des MINOX liegt einfach perfekt, zusammen mit dem höheren Gewicht der 44er Klasse, eine ideale Lösung also für die oft recht stürmisch bis orkanartigen Winde an der Dänischen Ostseeküste.

Augenmuscheln

Um den Augenabstand den eigenen Bedürfnissen anpassen  zu können, besitzt das BL 8×44 NEU stufenlos justierbare Dreh-Augenmuscheln die mit maximal 19,5 mm Verstellweg nahezu jeden Brillenträger zufriedenstellen sollten.

Neben den beiden Endlagen sind übrigens noch 2 Zwischenrasten vorhanden. Durch einen Augenabstand von 19,5 mm ist es möglich/erforderlich, auch als Brillenträger die Augenmuschel auf die 1. Raste zu stellen… reichlich Reserve also, für dickere Korrekturgläser. Dadurch liegt gleichzeitig die Hintelinse gut verdeckt und das Seitelichtverhalten ist merklich günstiger, als bei dem Vergleichs-EL, bei dem ich die Augenmuscheln auf Anschlag eindrehen muss! Ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei hellem Sonnenschein!

Die allerdings etwas “schlappe” Rastung ist verbesserungswürdig. Hier wäre eine etwas strammere Gangart angebracht und ließe sich garantiert auch leicht realisieren, indem die einfach die Toleranzlage verändert würde.
Überraschenderweise zeigte sich aber im Einsatz, dass die eingestellte Raststellung sogar während des Transports erhalten blieb. Möglicherweise aber nur deshalb, weil ich grundsätzlich die Okularschutzdeckel vor dem Verstauen in der (ZEISS) Transporttasche aufgesteckt hatte?

Testumgebung und “Vergleichspartner”

Bewusst hatten wir unseren kleinen “Test” auf den  Sommerurlaub verschoben, einmal um ausreichend Zeit zu haben, andererseits aber auch um möglichst verschiedene Beobachtungssituationen abdecken zu können.
Unser Ferienhaus bot ein Menge Testmöglichkeiten, ohne überhaupt die Terrasse verlassen zu müssen.
So war das 3.000 Quadratmeter grosse Naturgrundstück selbst das reinste “Beobachtungsreservat”.
30 Meter vor der Terrasse endete der Rasen und eine Wiese mit allerlei filigranen Gräsern und diversen Wild-Orchideenarten folgte bis zum 80 Meter entfernten Waldrand, der aus einer Mischbestand aus Nadelbäumen mit ihren borkigen Rinden und abgebrochener Äste sowie Birken, Pappeln, Eichen, Erlen… bestand, indem es von landenden Vögeln aller Art und hin und her schießender Eichhörnchen nur so wimmelte.
Durch eine Schneise von etwa 300 Metern Länge war die angrenzende Ostsee zu sehen und in ca. 5 km Entfernung die gegenüberliegende bewaldete Landzunge. Dazwischen reger Fischereiverkehr und allerlei private Yachten der unterschiedlichsten Klassen und Tonnage.

Viel zu tun also für unsere “Versuchsgläser”, man hätte den ganzen Tag beobachten können… allein die geduldigste Ehefrau von allen, hatte dann doch noch einige andere Interessen und Vorstellungen, wie denn unser Urlaub auszusehen hätte. OK, dass muss natürlich akzeptiert werden, wenn auch bei manchen Beobachtungssituationen “etwas” widerwillig ;-)

Wenn auch kein fairer Vergleichspartner, da sowohl in einer anderen Gewichts- als auch Preisklasse kämpfend, war meistens unser Swarovski EL 8×32 dabei… warum hätten wir es auch Zuhause lassen sollen. Es liegt also vollkmmen nahe, dass einige Bemerkungen im Text Bezug nehmen auf unser EDC (EveryDayCarry) – Beobachtungsglas.

Optische Werte

Wenn sich mein Bericht bis hierher möglicherweise negativ angehört haben sollte, bei den kleinen mechanischen Schwachstellen handelt es sich überwiegend um “Peanuts”. Wenn es um die optischen Werte unseres neuen Urlaubsbegleiters geht, kommt spontan ein deutliches Strahlen auf mein Gesicht. Das Ding ist echt gut, insbesondere unter Berücksichtigung des Preises!

Einblickverhalten

Der Eindruck, den ich bereits beim ersten Auspacken hatte, wurde im Urlaub und danach mehr als bestätigt.
In kürzester Form ausgedrückt würde ich sagen: “Ansetzen… und passt!”
Bisher habe ich nur wenige Gläser gefunden, bei denen ich einen ähnlich positiven Spontaneindruck hatte, was will man mehr.

Blickfeld

Die angegebene 136 m / 1.000 m Sehfeld habe ich nicht nachgemessen, ich denke aber der Wert ist korrekt und damit wunderbar für die Beobachtung von Tiergruppen oder beim Abscannen von größeren Beobachtungsfelden. Auch das Auffinden von Kleinobjekten in der Landschaft gelingt so blitzschnell… man zielt praktisch nie daneben.

Bildruhe/Zittern

Das deutlich höhere Gewicht (verglichen mit unserem 32er) aber speziell die merklich größer Austrisspupille bringen einen riesigen Vorteil. Man fasst einerseits herzhafter zu und in Verbindung mit der perfekt ausballancierten Konstruktion, entsteht nahezu kein ein Handzittern. Der große  Austritspupillenwert bringt Reserven mit, sodass kleinere Wackelbewegungen einfach nicht empfunden werden. Einer der bisher von mir nicht gekannten aber unglaublichen vorteilhaften Aspekte des grösseren Kalibers.

Justierung des rechten Okulars

Wer hat schon zwei perfekt und identisch funktionierende Augen? Wir leider nicht!

Wie in diesem Preissegment üblich, erfolgt die augengerechte Anpassung durch Verdrehen des rechten Okulars. Die notwendige Drehkraft ist recht hoch, was den Vorteil hat, dass sich die vorgenommenen Einstellung kaum unbeabsicht verstellen wird. Strichmarkierungen auf dem Stellring helfen, die otimale Einstellung schnell und reproduzierbar wiederzufinden.

Um 180 Grad versetzt angebrachte Riffelungsbereiche auf dem Ausgleichsring sollen diese Aufgabe erleichtern, allerdings haben hier die Designer den Praktikern einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht und diese Arbeit unnötig erschwert. Die beiden Riffelungen sind seitlich so unbedacht angeordnet, dass bei NULL-Lage die innere Hälfte kaum erreichbar hinter der Justierwalze zu liegen kommt. Wäre hier nicht eine um 90° verdrehte Betriebslage günstiger gewesen oder einfach eine Komplettriffelung des Stellrings?

Wir hatten aber im Einsatz keine Probleme mit diesem Manko, da unsere Augen mittlerweile allein mit dieser Massnahme keine ausreichende Anpassung erhalten würden. Ohne Brille gehts nicht, Leider! Was aber den Vorteil hat, dass wir diese nicht so ideal umgesetzte Lösung immer in Null-Stellung belassen können.

Fokussierung/Nahbereich

Was sofort auffällt, verglichen mit Zeiss, Leica und Swarovski erfolgt die Justierung des MINOX BL 8×44 NEU umgekehrt, d.h. ein Drehen im Uhrzeigersinn fokussiert in den Nahbereich. Das ist schade, denn es bedeutet beim gelegentlichen Tauschen der Fabrikate eine häufiges Fehlverhalten beim Nachjustieren. Aber, wie heißt es so schön: Man gewöhnt sich an alles, auch an diesen “umgekehrte Drehsinn”; wer eh nur ein Glas besitzt, der wird diese kleine Gemeinheit nicht einmal bemerken.

Gut erkennbar ist auch, die “schnellere Übersetzung” des Fokussiertriebs. Man hat zwar bei bewegten Objekten sehr fix “scharf gestellt”, aber man neigt auch dazu, öfter einmal übers Ziel hinaus zu schiessen.

Für den kompletten Verstellweg stehen zwar ca. 1,5 Umdrehungen zur Verfügung, wovon ich vom Minimalpunkt bis zur “Unendlich”-Einstellung (mein entferntester EInstellpunkt) allerdings nur exakt 1 Umdrehung benötige.

Auch hier gilt, nach wenigen Tagen hatten wir uns daran gewöhnt und das Gefühl für die “Menge Weg” war uns in Fleisch und Blut über gegangen. Verglichen mit älteren “MINOX Konstruktionen” hat man die “Übersetzung” beim neuen BL wohl “verlangsamt”, so dass ein passabler Kompromiss zwischen Schnelligkeit und Präzision erreicht wurde.

Der Drehwiderstand des BL ist übrigens um Einiges strammer als beim EL. Um ebenso präzise justieren zu können, habe ich beim MINOX deshalb meine Haltung des Glases verändert. Jetzt liegen Zeige- und Mittelfinger beider Hände auf der Walze, so wird die “Gegenkraft” nicht als so kräftig empfunden. Unangenehmer allerdings ist eine leicht “unrund” laufende Walze, was dazu führt, dass über den vollen Verstellweg an 2 Stellen der Drehwiderstand ansteigt und die Fingerkraft entsprechend verstärkt werden muss, um die Fokussierung sauber vornehmen zu können. Zugegeben, das EL ist hier auch für mich bisher das Mass aller Dinge, da hat es wohl jeder Konkurren schwer. Hier muss man sich dann wohl den Preisunterschied vergegenwärtigen… irgendwo muss ja eingespart worden sein.

Das MINOX BL 8×44 NEU läßt sich bis auf eine Nahentfernung von  2,5 m scharf stellen, ideal, um Insekten aus ausreichendem “Fluchtdistanz” beobachten zu können. Der Gattungsbegriff “Fernglas” bekommt damit einen vollkkommen andere Dimension. Erstaunlich, was sich so alles an Kleinlebewesen um einen herum bewegt und welche interessanten “Entdeckungen” mit dem “Nahglas” gemacht werden können!

Bildschärfe/Randschärfe/”Globuseffekt”

Wir hatten zwar gedacht, dass sich in dieser Disziplin das EL der Königsklasse ganz deutlich von unserm  MINOX BL absetzen würde, aber ganz so deutlich war das garnicht. Unter allen erdenklichen Lichtsituationen habe ich beide Sparringspartner wieder und wieder auf verschiedenen Ziele gerichtet um den ersten Preis zu vergeben…  aber das Ergebnis war alles andere als deutlich. Nur im unmittelbaren Vergleich war ein geringer Vorsprung des EL auszumachen, weit weniger jedenfalls, als der Preisunterschied beider Kontrahenten erwarten läßt.

Die Bildschärfe ist in der Bildmitte ausgezeichnet, ab ca. 60% des Durchmessers nimmt sie dann zum Rand hin kontinuierlich ab. Damit kann man allerdings gut leben, wenn man das recht gute Sehfeld (136m/1.000m) berücksichtigt und, wie wir, grundsätzlich ohne Stativ beobachtet, womit sich das Objekt der Begierde sowieso immer im Mittelpunkt  der Optik befindet und Randfehler sowieso kaum auffallen.

Die Korrektur der Bildfeldwölbung ist so gewählt, dass im Randbereich liegende gerade Linien sich zu verbiegen scheinen, gleichzeit aber der sog. Globuseffekt absolut nicht negativ ins Gewicht fällt. Für uns eine gute Lösung.

Farbsäume im Randbereich treten auf, OK, wir hatten nichts anderes erwartet, aber nicht merklich schlechter als beim EL und damit in einem akzeptablen Rahmen.

Farbwiedergabe/Kontrastverhalten

Wer die sehr helle Farbwiedergabe des EL kennt, die in vielen Fällen schon den Eindruck vermittelt, die Farben seien mit einem trübenden Schleier überzogen, der ist vollkommen platt, wenn er das MINOX BL 8×44 NEU in die Hand und ans Auge nimmt. Jau, das ist merklich mehr nach unserm Geschmack und kommt der Abstimmung der Leica Gläser näher, die wir so lieben. Was nun der absoluten Wahrheit am nächsten kommt, mag ich nicht zu entscheiden, aber da wir keine Ornitologen sind, denen perfekte Farbtreue wohl eher am Herzen liegt, tendieren wir dazu, das Bild einfach danach zu beurteilen, wie es uns “besser gefällt”…
und da ist das MINOX dem Swarovski tatsächlich überlegen. Das hätten wir nicht für möglich gehalten!

Unser “Einsatzfälle” für das MINOX BL 8×44 NEU


Strand/stümische und unruhige Situationen

Wie für den September 2010 vorhergesagt, war unser Urlaubsort in diesem Jahr recht stürmisch. Die extrem böigen Winde machten es oft unmöglich, geradeaus zu laufen, geschweige denn, mit einem Fernglas unproblematisch zu beobachten. Auch hier war die “Hubraumbedingte” größere Austrittspupille des MINOX ein wahrer Segen. Riss einem beim 8x32er Swaro der Sturm fast das Motiv vollkommen aus dem Fokus, konnte man mit dem MINOX BL 8×44 NEU immer noch passabel beobachten. Möglicherweise war hier auch das höhere Gewicht des 44er Glases von Vorteil? Die träge Masse half auf jeden Fall, manche Beobachtung zu machen, die mit einem leichteren Glas so einfach nicht möglich gewesen wären.

Wald / dunkele Umgebung

Verglichen mit unseren bisher eingesetzten 8x32er Gläsern bringt hier das MINOX doch so einige Vorteile in den Ring, die der grossen Objektivöffnung zu danken sind. Selbst ein möglicherweise vorhandene bessere Lichtdurchlässigkeit des 4 mal teureren Konkurrenten kann die Vorteile der höheren geometrischen Lichtstärke (44 / 32) nicht toppen. Es macht einfach Spass, in dieser Umgebung mit dem 44er MINOX unterwegs zu sein. Schon nach wenigen Vergleichstagen, haben wir deshalb bei den folgenden Waldspaziergängen kurzerhand das Swarovski EL 8×32 im Ferienhaus gelassen…

Tageslicht Beobachtung

Hier kommen die Vorteile der rechnerischen Geometriewerte des 44er Glases naturgemäss nicht zum Tragen. Klar, denn bei Sonnenschein ist die verengte Pupille das begrenzende Mass, da nützen die 44mm Objektivdurchmesser leider nichts. Das zwangsläufig größere Konstruktionsgewicht dagegen bedauert man tags über dann schon eher. Doch kaum kommt stürmisches Wetter auf, glänzt das 44er wieder durch seine hilfreich grosse Austtrittspupille und man ist froh, den “Klotz doch mitgeschleppt” zu haben.

Sternenbeobachtung

Wenn auch die Möglichkeiten wegen vollkommen fehlender Lichtquellen in der Umgebung perfekt gewesen wären, irgendwie war der Urlaub zu kurz, um auch hier vergleichend testen zu können. Vielleicht waren aber auch die genüsslichen und reichhaltigen Abendessen mit viel fangfrischem dänischen Fisch schuld an der Miesere? Es hat sich einfach NICHT ergeben… aber der nächste Dänemark-Urlaub ist ja schon eingeplant und natürlich werden wir das MINOX BL 8×44 NEU wieder im Gepäck haben!

Was ich als Konstrukteur bei Weiterentwicklungen überdenken würde…

  • Müssen beide Brückenelemente wirklich gleich hoch sein? Die Finger hätten mehr Platz, würde man ojektivseitig einige Millimetr einsparen können.
  • Die Klemmkraft der Drehaugenmuscheln sollte gegen Verstellen aus den Rasten erhöht werden.
  • Die Objektivdeckel-Befestigung sollte deutlich strammer (funktionsfähig) ausgeführt werden.
  • Die Schutztasche sollte etwas grosszügiger bemessen sein.
  • Der Tragriemen sollte dem Gewicht des Glases besser angepasst und etwas länger sein.

Zusammenfassende “Bewertung” aus meiner ureigenen Sicht

Dieser Part fällt nicht leicht, denn es sind ja so viele Dinge, die ein Fernglas ausmachen und die am Ende beim Kauf entscheidend sind. Fest steht für uns aber, dass dieses MINOX BL 8×44 NEU ein Glas ist, welches sich auch gegenüber deutlich teureren Konkurrenten nicht zu verstecken braucht. Wir hätten niemals gedacht, dass bei einem Preisverhältnis von 4:1 gegenüber unserm Swarovski EL 8×32 beim praktischen Vergleich ein weit geringerer Verhältniswert herauskommen würde.

Wer in der kommenden Zeit plant ein Fernglas für den täglichen Einsatz anzuschaffen, der sollte sich unbedingt einmal ein MINOX der neuen BL Serie vorlegen lassen. Wenn auch ein paar kleine Abstriche in Hinblick auf mechanische Elemente gemacht werden müssen, so ist die Gesamtleistung des eleganten Schwarzen – insbesondere unter Berücksichtigung des Preises – ganz beachtlich. Wer, wie wir – ausser fürs Hobby – noch einige andere Ausgaben zu stemmen hat, der macht sicher nichts falsch wenn er sich für das MINOX BL 8×44 NEU entscheidet.

Übrigens…

Seit unserm Sommerurlaub ist schon geraume Zeit vergangen. Auch im heimischen Einsatz ist das MINOX BL 8×44 NEU immer parat. Ständig griffberei steht es auf Gartentisch, Fensterbank oder Schreibtisch, um dem winterlichen Treiben in unserem grossen Garten folgen zu können. Oft muss es sehr schnell gehen, wenn die Meisen sich am Futteplatz wieder einmal balgen, ein 200er Zug Kraniche mit “Höllenlärm” am Himmel vorbei zieht oder – lange nach Sonnenuntergang – der Fuchs seinen Spaziergang durch den Schnee am Waldrand macht. Dann sind schnelle Fokussierung und grosse Austrittspupille ein nicht zu toppender Vorteil…

Von Zeit zu Zeit blättere ich abends im MINOX-Katalog und grüble nach, wie sich wohl ein HG 8×33 BR (MIG)
im Vergleich schlagen würde? Ob so ein Glas der Oberklasse wohl gegenüber dem BL NEU deutliche Vorteile hat? Schön kompakt ist es ja… eigentlich ideal für Frauenhände. Ist nicht bald Weihnachten?

Ja, so sind wir grossen Jungs eben. Kaum hat mal ein paar Kröten an die Seite gelegt, schon denkt man über neue Dummheiten nach.

MINOX BL 8×44 NEU – Die optische “Aufrüstung”…

Zwei Urlaube haben wir jetzt hinter uns, mit dem Swarovski EL 8×32 im Gepäck, wir haben die Geldausgabe nicht bereut, denn das feine Gläschen hat schon so einiges auf dem Kasten. OK, den Geldbeutel hat es natürlich auch vollkommen leer gesaugt, aber das war es uns wert.

Je häufiger wir damit unterwegs waren, um so öfter ergab sich allerdings das Problem, daß die beste Ehefrau von allen immer wieder das Glas “nur mal ganz kurz” ausleihen wollte… und prompt stand ich ohne da.

Nun steht der nächste 3 wöchige Urlaub vor der Tür und es wird sicher eine Menge Interessantes zu beobachten geben. Stellt sich mir wieder einmal die Frage: “Wieso habe ich ein neues Glas und muss es ständig ausleihen?”
Ein neues Zweitglas muss einfach her! Ein 2. Fernglas der Alpha-Klasse würde die Urlaubskasse allerdings über die Maßen belasten. Es muß also eine Alternative sein, die vernünftige Qualität zu einem moderaten Preis bietet. Festgesetzt wurde nach einem Blick in die bemittleidenswert dürftig gefüllte Bunkerkasse ein Betrag von ca. 500 Euro. Möglicherweise werden wir ein paar Abstriche machen müssen, aber es geht eben nicht ALLES.

1/2 Tausender ist zwar auch nicht unbedingt wenig, trotzdem eine ordentlicher Differenz zu LeiSwaZei… was würden wir da wohl bekommen können. All die verlockenden Angebote aus den asiatischen InternetShops  klingen zwar interessant, aber so ganz ohne Deutschen Ansprechpartner? Was, wenn mal etwas defekt ist?
Nein, da muß natürlich etwas aus der heimischen Abteilung her, aber was?

Die guten Erfahrungen mit unserm kleinen MINOX BV 8×25 BRW “für alle Fälle”, ließen uns kurzerhand alle anderen Namen bei Seite schieben. Sehen wir also mal, was es  bei MINOX an Möglichkeiten gibt.

Mein Traum von einem 10er war ja bereits seit meinen Experimenten im vergangenen Jahr ausgeträumt. In unserem Alter ist die 10fache Vergrößerung einfach nicht mehr lange genug ruhig zu halten. Damit war die Vergößerung mit 8-fach also vorgegeben.

In der ausgesuchten Preisklasse haben wir 2 Aspiranten, MINOX BL 8×33 NEU und MINOX BL 8×44 NEU, beide mit Doppelbrücke, wie ich sie ja bei meinem Swarovski EL so liebe. Na, das wär doch vielleicht was.

Wegen des klaren und geradlinigen Designs hatte meine Frau die MINOX Gläser spontan ins Herz geschlossen.

Beim Blick in die technischen Daten – das war dann wieder meine ehrenvolle Aufgabe – kam dann auch gleich ein Strahlen auf “mein” Gesicht: Da hatte sich aber in den letzten Monaten so einiges getan bei MINOX. Die Daten hören sich vollkommen anders an, als noch vor gut einem Jahr. Da hatten man den Konstrukteuren garantiert die Daten ins Pflichtenheft geschrieben, wie sie bei den “GROSSEN 3″  üblich waren. Gut so, denn wenn man von seinem Alpha-Glas, 140m/1000m Gesichtsfeld gewohnt ist, dann möchte man das auch beim Zweitglas nach Möglichkeit erreichen.

Die Pupillensehweite ist sogar um einge mm größer als bei meinem Swaro, das ist prima, denn meine Brille ist altersbedingt schon etwas dicker, da machen 2-3 mm mehr schon viel aus.

Die 8×44 Klasse – da ließ meine Frau keinen Zweifel aufkommen – sei ihr aber etwas zu klobig, um das Gewicht den ganzen Tag mit herum zu schleppen… andererseits wäre die höhere Lichtstärke des 44ers und die gößere Austrittspupille schon sehr interessant für unseren bevorstehenden Urlaub in Dänemark, mit den erstaunlich weitläufigen Waldanlagen und den geplanten Spaziergägen am stürmischen Strand. Wie also entscheiden?

Ein E-Mail Kontakt mit einem äußerst freundlichen Herrn von MINOX am anderen Ende der Leitung, schaffte sofort Gewißheit, was zu tun wäre. BL 8×33 NEU erst nach unserm Urlaub lieferbar, BL 8×44 NEU am Lager.
Na bitte, die Entscheidung war gefallen.

Keine 2 Arbeitstage nach der letzten E-Mail stand bereits der Paketbote vor der Tür…
Mensch Leute, ihr seid aber verdammt fix bei MINOX, ich werte das als ein sehr gutes Zeichen.

Jetzt bin ich natürlich gespannt wie ein Flitzebogen,”was im Paket ist”… aber das ist eine andere Geschichte.

Und was den Urlaub angeht… da sind wir nun ja vollkommen autark. Allerdings werde jetzt ich wohl derjenige sein, der sich des MINOX BL 8×44 NEUnur mal ganz kurz” ausleihen wird, um zu Testen. Bis später also ;-)

MINOX BV 8×25 BRW – Phasenkorrektur, ja oder nein?

Die Entwickler von hochwertigen Ferngläsern sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, die Qualität des Abbildungsleistung zu steigern. Eine dieser Verbesserungen war die Einführung von Phasenkorrekturbelägen der Prismen. Zunächst nur bei den absoluten Topprodukten zu finden, wurde schon bald auch in der Mittelklasse damit geworben. Wenn nun aber auch bei den preiswerten Vertretern unterhalb von 200 Euro davon die Rede ist, können Zweifel aufkommen, ob diese qualitätsverbessernde Technik auch tatsächlich in der Fertigung umgesetzt worden ist. So auch HIER!

Die Firma Fujinon hatte sich im vergangenen Jahr ja nicht mit Ruhm bekleckert, als der bekannte Journalist Walter E. Schön seine Zweifel bei einem Produkt dieser Marke anmeldete… und am Ende auch Recht mit seinem Zweifel hatte! auf ein Fehlen des beworbenen Phasenkorrekturbelages bei Produkten dieser Marke hingewiesen hatte… was am Ende von den Zuständigen auch zugegeben wurde! (Ich hoffe, Herr Schön, so trifft die Formulierung “besser” den Sachverhalt?)

Das soeben von mir erstandene kleine Minox BV 8×25 BRW hat ebenfalls dieses Feature in den technischen Daten… und das bei einem Preis von nur 99 Euro (Weihnachtsangebot)?! Kein Wunder also, dass kritische Forumteilnehmer nachgefragt haben.

Bei dem kleinen Preis, wärs mir persönlich ja egal gewesen, trotzdem habe ich dann folgende provisorischen Versuchsaufbau vorgenommen:

Auge > Polfilter > Fernglas in umgekehrter Position > TFT-Monitor

Zunächst aber, zur Veranschaulichung der Wirkung, 2 Fotos ohne Fernglas, nur mit Polfilter vor dem Monitor.

Polfilter in Stellung 0° = voller “Durchgang” (links) | Polfilter in Stellung 90° = komplett “geschlossen” (rechts)

Als Vergleich für ein Glas der “Vergangenheit”, bei der noch keine Phasenkorrekturbeläge eingesetzt wurden, musste mein geliebtes und viele Jahre verwendetes Leitz Trinovid 8x32B 130m/1000m herhalten.

Leitz 8x32B 130m/1000m: Kein Farbflächen vorhanden. Reiner “Helligkeitstausch” bei Verdrehen des Polfilters.

Dann war mein neues “Für alle Fälle immer dabei” Minox BV 8×25 BRW an der Reihe.

Minox BV 8×25 BRW: Deutlich vorhandene Farbflächen “tauschen” ihre Einfärbung beimVerdrehen des Polfilters.

Wenn auch die Belegfotos allesamt von mieser Qualität sind – da ohne Stativ und ganz provisorisch geschossen – zeigen sie doch ganz deutlich: Das alte Trinovid besitzt (natürlich) keine… das preiswerte Minox aber sehr wohl die versprochene Phasenkorrektur-Beschichtung!

Also können sich alle Zweifler beruhigt zurücklehenen, denn es gibt doch noch Hersteller/Händler in Deutschland, die ihre technischen Zusagen – auch bei preiswerten Produkten – tatsächlich einhalten.
Daumen hoch also für Minox… ;-)

Natürlich ist mir klar, dass mit dem Vorhandensein dieser Beschichtung, dieses Produkt nicht unbedingt “besser” sein muss, als ein konkurrierender Vertreter ohne… aber das war hier auch NICHT die Frage!

MINOX BV 8×25 BRW – Verblüffende Leistung

MINOX - LogoUnabhängig von meinen “binokularen” Betrachtungen im TOP-Bereich europäischer Fernglasmarken innerhalb der vergangenen Monate, habe ich zeitgleich auch nach einem kleinen Fernglas “für immer dabei” gesucht, welches sowohl preiswert zu haben, gleichzeitig aber auch nicht allzu schlecht in der Leistung sein sollte.

Die Gläser der 8x20er TOP-Klasse, sind zwar sehr kompakt und von überagender optischer Leistung, aber

1. recht teuer – ein halber Tausender sind da schon fast “günstig”
2. wegen recht kleiner Fokussiertriebe nicht sonderlich ideal in der Handhabung
3. die Nahgrenze in manchen Fällen nicht mehr zeitgemäß und für Insektenbeobachtung nicht ausreichend kurz
4. mir “einfach zu schade”, sie bei jedem Wetter in der Anoraktasche oder im Handschuhfach durchzuschütteln

Sieht man sich im Internet um, findet man massenhaft Firmen bzw. Onlineshops, die günstig “Spielsachen” dieser Art anbieten. Allerdings handelt es sich meist um vollkommen unbekannte Namen, die zudem im europäischen Bereich nicht ansässig sind, sodaß es bei möglichen Reklamationen zu größeren Schwierigkeiten kommen  könnte, als ich mir einhandeln möchte. Ein bekannter “Deutscher Name mit Tradition” wäre mir da natürlich lieber, aber geht das überhaupt zum “kleinen Preis”? OK, ich habe keine zu hohen Erwartungen!

Minox BV 8x25 BRW - Frontansicht

Als dann die Firma MINOX aus Wetzlar auf ihrem digitalen “Weihnachtskalender” mit Datum vom 7.12.2009 ein passendes Glas anbot, zu einem um ca. 40% reduzierten Preis von 99 Euro… habe ich gleich zugeschlagen.
So schlecht kann es garnicht sein, wenn die angegebenen technischen Daten nur einigermassen stimmen – und bei dem “Herstellernamen” habe ich nicht ganz so große Zweifel. OK, garantiert wird es aus asiatischer Produktion stammen, aber was kommt heutzutage nicht von dort? Aber auf diese Weise habe ich jetzt zumindest “eine Ansprechadresse fast um die Ecke”.

Die technische Kennwerte des “BV 8×25 BRW”  laut Minox Datenblatt

  • Vergrößerung: 8x
  • Eintrittspupille: 25 mm
  • Austrittspupille: 3,1 mm
  • Sehfeld: 119 m / 1000 m = 7,4°
  • Pupillenschnittweite: 15,5 mm
  • Nahdistanz: 2,4 m
  • Dämmerungszahl: 14,1
  • Funktionstemperatur: -10° bis +40° C
  • Wasserdicht: ja, bis 3 m Tiefe
  • Höhe, Breite, Tiefe: 109 x 98 x 39 mm
  • Gewicht: ca. 295 g
  • Ausstattung: Stickstoff-Füllung, Prismen mit Phasenkorrektur-Belag
  • Bestell Nr.: 62171

Bedenkt man den vorgesehenen Einsatzfall und den moderaten Preis, dann kann man eigentlich nicht meckern… kompakt, leicht, wasserdicht, mit Phasenkorrekur-Belag… schaun mer mal, wie “das gute Stück” in Natura aussehen wird und – vor allem – was man in der Natur dadurch erkennen kann.
Besonders gespannt bin ich darauf, welche Abstriche man am Ende machen muß, gegenüber einem Fernglas der Topklasse… jedoch bei einem Preisfaktor von ca. 1/15.

Die Onlinebestellung war in Minutenschnelle erledigt. Umgehend kam per E-Mail die Bestätigung mit Auftragsnummer etc. Nun ist Warten angesagt! Die Zeit vertreibt man sich mit Lesen von mehr oder weniger guten Kritiken eben dieses Glases. Man redet sich natürlich ständig ein, bloß nicht zuviel zu erwarten, um dann nicht zu sehr enttäuscht zu sein. Gleich mal überlegen, wem man es zu Weihnachten schenken könnte, wenn es dann doch nicht wirklich gefällt…

Endlich, der freundliche Paketbote ist da…

Das Warten ist eben so spannend, wie bei einem erheblich teureren Glas. Der Paketbote kommt dann endlich nach “3 langen Tage”, eine elektronische Unterschrift ist schnell hinkekritzelt und ab an den Schreibtisch, das Päckchen will ausgepackt werden. Gespannte Erwartung, trotz und wegen dieser ungewöhnlichen Preisklasse!

Keine äußere Beschädigungen, das ist schon mal der 1. Schritt. Vorsicht die Verklebung des kleinen Versandkartons aufgeritzt.

Paket-1 - aufgeschnittenPaket-2 - FuellmaterialPaket-3 - what is in the boxPaket-4 - Karton geschlossen

Gut geschützt durch reichlich geknülltes Packpapier das nahezu winzige Päckchen mit dem Fernglas.

Paket-5 - Karton offenPaket-6  - Karton InhaltTasche mit TragriemenTasche mit Inhalt

Neben einer Schutztasche aus Kunstleder liegt ein recht ordendlicher Neopren-Tragriemen (beachtlich bei diesem Leichtgewicht von gerade einmal 300g) ein Optikputztuch, eine mehrsprachige Bedienungsanleitung und ein Prüfbescheinigung (in Deutscher Sprache!). In der Tasche selber dann das “gute Stück”.

MINOX-BV 8x25 BRW - Rueckansicht

Auf den ersten Blick… garnicht schlecht für die paar Kröten ;-)

1. Eindruck:
Das macht spontan einen ganz passablen Eindruck… nicht zu leicht und auch die Gummiarmierung ist nahezu geruchfrei und ohne hässliche “Schweißnähte” an den Form-Trennflächen.

Armierung:

Die grüne Gummiarmierung ist weder klebrig noch rutschig. Eine leicht porige Oberfläche vermittelt den Eindruck, dass es hier keine Probleme geben wird. Um einen ganz leichten Kunststoffgeruch wahrnehmen zu können, muß man schon mit der Nase die Gummiarmierung berühren. Bedenkt man, dass das kleine Ding ja auch flammneu ist, kann man davon ausgehen, dass nach 1-2 Wochen keine Ausdünstung mehr zu bemerken sein wird.

Haptik/Handlage:

Das MINOX liegt sofort gut in der Hand… es verschwindet nahezu darin, selbt bei meinen kleinen Händen. Aber es sollte ja auch bewußt sehr kompakt sein, um es auch immer und überall dabei haben zu können. Gegenüber den winzgen “Kompaktgläsern” allerdings ist es schon deutlich “griffiger” und kann als echtes kleines Fernglas bezeichnet werden.

Die Griffmulden auf der Tubusrückseite sind zwar sehr nett, wären aber garnicht erforderlich gewesen, da man die Daumen fast auf der gegenüberliegenden Mulde ablegen kann. Allerdings hindern sie auch nicht.

Fokussiertrieb:
Die Fokusierung ist vollkommen spielfrei und läßt sich, dank der relativ gross dimensionierten Verstellwalze (ca. 22,5 mm Durchmesser) wunderbar ruckfrei und butterweich bedienen. Selbst wenn man das kleine Gläschen nur mit einer Hand hält, ist die Fokussierung mit Daumen und Zeigefinger der selben Hand ein reines Kinderspiel.

Fokussierrichtung:
Wie erwartet, bei Gläsern aus asiatischer Fertigung, so auch hier die “falsche” Richtung… also anders, als bei den Europäischen Top-Produkten, ist die Naheinstellung im Uhrzeigesinn erreichbar.
OK, bei dem Preis muß man kompromisse machen. Wird schon gehen und ist somit akzeptiert!

Naheinstellgrenze:
Die kürzeste Einstellentfernung liegt bei gemessenen 1,5 Metern. Allerdings ist das dann besser nur mit einem Auge zu machen, denn die beiden Rohre scheinen jetzt nicht mehr genau auf das Ziel ausgerichtet zu sein. Bis ca. 2,0 Meter bemerkt man dieses Problem allerdings nicht. Natürlich muß für diesen nahen Bereich die Knickbrücke etwas näher eingestellt werden, aber das ist ja auch bei TOP-Gläsern nicht anders!

Drehungen in Grad von Unendlich bis 2 Meter:
Insgesamt läßt sich die Verstellwalze zwischen den mechanischen Anschlägen um ca. 300 Grad drehen. Die Fokussierung ist somit sehr schnell. Für meine Verhältnisse “zu schnell”, denn man schießt damit auch flux mal “übers Ziel hinaus”. Allerdings habe ich mit meinem Swarovski EL 8×32 auch ein Glas, welches das extreme Gegenteil darstellt. Also muß man für eine abschließende Wertung doch ein paar Tage vergehen lassen und das kleine Glächen zwischnzeitig eifrig nutzen. Warten wir als noch ein paar Tage…

Nach 3 Tagen kann ich sagen, etwas mehr Feinheit (feinere Gewindesteigung) wäre mir pers. angenehmer , aber man kann – wenn man Einsatzfall  ud Preis bedenkt – damit leben.

Justierung des rechten Okulars:
Das ist etwas fummelig, was wohl an der “schnellen” Gewindesteigung liegt. Es ist keine  mechanische Rastung vorhanden, die Einstellung soll also auf Grund der vorhandenen Friktion in der gewählten Position verbleiben. Eine deutlich sichtbare Einkerbung in der Armierung zeigt, ob das auf lange Zeit auch so bleibt. Da ich aber grundsätzlich mit Brille beobachte, ist dieser Faktor für mich vollkommen unerheblich.

Augenmuscheln:
Drehsaugenmuscheln mit 2 Zwischenrasten, die aber so schlapp rasten, dass ich froh bin, dass die voll eingeschraubte Position für mich ideal ist. Jeder, der ohne Brille beobachtet, wird zur O-Ring Lösung greifen müssen, um ein Verstellen beim Visieren sicher zu verhindern.

MINOX - BV 8x25 BRW - Frontansicht - Okularmuschel - 1-1 MINOX - BV 8x25 BRW - Okularmuscheln-Verstellweg - 3-2

Augenmuschel “voll eingedreht” und “in gerasteter Zwischenlage”. Maximal ist der doppelte Weg möglich!

Brillenträgertauglichkeit:
Um den bestmöglichen Einblick zu erhalten, muß ich die Augemuscheln komplett einschrauben. Je nach Korrekturfaktor und Ausührung der verwendeten Brille könnte es knapp werden, für mich passt es allerdings ideal. Das Glas hat einen erstaunlich guten Einblick, natürlich ist bei 8×25 und ca. 3,1 mm Austrittspupille genaues Einstellen des Augenabstandes erforderlich, insbesonder, wenn gute Lichtverhältnisse schon winterlich früh zu schwinden beginnen. Hat man das aber erledigt, kann man nicht klagen.

Knickbrücke und Verstellungskraft:
Die erforderlichen Verstellkräfte sind gering, aber nicht zu knapp um ein schnelles, unbeabsichtigtes Verstellen zu verhindern. Die Bewegung läuft satt und nicht ruckelig. Das habe ich schon viel schlechter erlebt und das bei erheblich teureren Fabrikaten!

Wackelneigung:
Wegen des leichten Gewichtes von 300Gramm kann man keine “Massenstabilisierung” erwarten… trotzdem liegt das kleine MINOX ruhiger, als z.B. die meisten echten Taschengläser der 8x20er oder 10x25er Klasse. Da machen 80-100 Gramm Mehrgewicht doch schon etwas aus. Auch die mechanisch größere Bauform hilft, das Glas “überhaupt irgendwo” zu packen und ruhig zu beobachten.
Spontan schießt mir durch den Kopf… 500-600Gramm ist wohl tatsächlich die perfekte Lösung… aber um die geht es HIER ja nicht!

Tasche:
Kunstledertasche mit Schnapp-Verschluss, ohne separaten Tragriemen, aber mit Gürtelschlaufe. Das ist nicht schlecht, da man sich die Tragweise den Erfordernissen entsprechend aussuchen kann. Die Verarbeitung ist so “elastisch”, dass man die nicht benötigte Tasche auch flach zusammengedrückt leicht in Anorak- oder Fahrrad-Packtasche verschwinden lassen kann.

Tragriemen:
Nylonriemen mit Neoprenelement im Nackenbereich, wegen des geringen Gewichtes zwar nicht erfordelich. Nach einer Stunde dann aber die Feststellung… auch ein Leichgewicht von 300g wird mit der Zeit wesentlich tragbarer, je breiter und weicher der Tragriemen ist. Stabile Ösen am Glas sorgen für eine sichere Riemenbefestigung. Zwar ist alles etwas kleiner ausgeführt als bei den dicken Boliden, aber es passt alles sehr gut zueinander. Wegen der kurzen Baulänge neigt das Glas bei eingestelltem Augenabstand zum “Schiefhängen”, durch das geringe Gewicht von 300 Gramm führt das allerdings nicht dazu, dass einem nach wenigen Minuten das Frühstück hochkommt.

Okularschutz/Objektivschutz:
Nicht vorhanden… Na ja, bei dem Preis sieht man darüber hinweg und ist “sowieso etwas großzügiger”, denke ich.

Helligkeit:
Wird noch nachgereicht… Warten wir das Wochenende ab!

Randschärfe und Kontrast:
Am Sonntag war endlich auch mal Sonnenschein, deshalb also jetzt die Feststellung: Das Minox ist kein Nachtglas, was es auch nicht sein will oder kann. Trotzdem ist bei bedektem Himmel und Tagesbeobachtung die Beobachtung sehr passabel möglich, Die Farben sind weder extrem blass noch fehlt es an Erkennbarkeit. Scheint aber die Sonne, dann ist das kleine MINOX in seinem Element. Sehr ordendliche Farbwiedergabe und auch die Mittenschärfe ist nicht übel. Natürlich muß man in Durchmesserbereichen ab ca. 60% dann Abstriche machen… zum Rand hin wird es dann ungemütlich. Wer aber das Ziel immer im Zentrum des Glases hält, kann ganz zufrieden sein.
Die 119m/1000m Gesichtsfeld sind ebenfalls nicht zu übel, wenn man den Schärfenabfall am Rande akzeptiert.

Kontouren:
Wird noch nachgereicht… Warten wir das kommende Wochenende ab!

Der Versuch einer (subjektiven) Schlußbewertung

Um es gleich vorwegzunehmen, dieses kleine Glas kann meinem “grossen” EL 8×32 WB natürlich nicht das Wasser reichen, aber das war ja weder zu erwarten, noch erhofft, wenn man den Preisfaktor von 1/15 berücksichtigt.
Die Wertung muß also immer unter Berücksichtigung dieses Preisunterschieds gesehen werden.

Vergleich zum kleinen Leica Trinovid 8×20 BL:
Wird noch nachgereicht… Warten wir das kommende Wochenende ab!

Leica-Trinovid - MINOX - BV 8x25 BRW - Frontseite Leica-Trinovid - MINOX - BV 8x25 BRW - Objektivseite

Der Größenunterschied zumindest ist schon einmal gut merkbar…Wem es auf absolut filigranes Packmaß ankommt, der wird wohl auf die schlanken Kleinen aus bestem Hause zurückgreifen müssen… vorausgesetzt, der notwendige Mehrpreis kann dafür locker gemacht werden und wird nicht anderweitig sinnvoller benötigt.

Leica-Trinovid - Objektivbeschichtung MINOX - BV 8x25 BRW - Objektivbeschichtung

Wenn mir auch die Farbe eigentlich egal sein kann, sieht man aber, daß sich beim MINOX so Einiges getan hat. Die blaue Beschichtung der 80er Jahre ist einem grünorange Farbenspiel gewichen, welches auch beim Swarowski zu finden ist… ob daraus aber auf “identische” Qualität geschlossen werden kann, bezweifle ich einfach mal.

Vergleich zum Swarovski EL 8×32 WB:
Soll ich das tatsächlich machen… ich glaube das wäre unfair, oder? Ich lasse das also einfach weg!

Das (subjektive) Preis/Leistungsverhältnis und der Gebrauchswert
Wird noch nachgereicht… Warten wir das kommende Wochenende ab!

EL 8,5×42 SWAROVISION – Endlich vollen Durchblick!

Obwohl noch angeschlagen durch einen kleinen Krankenhausaufenthalt, konnte ich meine Ungeduld nicht zügeln, als in Bonn bei der Firma Jülich die Präsentation der großen Fernglasmarken anstand. Lange schon hatte ich mir die Tage im Kalender vorgemerkt, wie hätte ich sie da ungenutzt vergehen lassen können?
Also, Zähne zusammen gebissen und ab auf die Autobahn… irgendwie ging es dann auch und ich stand im Ladenlokal, ein immer freundlicher Herr Jülich zeigte mir bereitwillig alles, was jedem Fernglasfan das Herz höher schlagen läßt.

Der erste Eindruck

Natürlich war das SWAROVISION der Hauptgrund meiner Aktion, denn nach 1 1/2 Jahren des Wartens und Hoffens sollte es jetzt endlich soweit sein. “Das Glas, welches künftig die Richtung weisen soll”, zumindest wenn man der Werbung und den vielen Blog-Veröffentlichungen der vergangenen Monate anderer Fernglasfeaks glauben schenken will. Hohe Erwartungen also… ich war sehr gespannt!

Herr Jülich baute also ein Quartett an 8×42 bzw. 8,5×42 vor mir auf… meine Hände begannen zu zittern und das lag nicht an meiner unzureichend auskurierten Krankheit… die war vollkommen vergessen.

EL 42 - SWAROVISION 42 - Frontansicht

Das neue SWAROVISION ist schlank, deutlich eleganter von der Formgebung als sein Vorgänger, fast zierlich wirkt es. Die geschwungene Außenform hat man verlassen und eine reiner Kegelform ohne den angesetzten Bogen im Bereich der Okulare.

Ein wenig gespart hat man auch an der Höhe, nicht viel, aber man merkt es deutlich. Wieso der schräge Schnitt der Armierung an der Okularseite, ist mir nicht erklärlich. Da muß ein Designer seine Finger im Spiel gehabt haben, Sinn macht es für mich aber nicht… es sieht einfach “schief” aus! Ob man damit die 800 Gramm Grenze unterbieten wollte? Mhhh? Für mich und meiner Idee, einer “Okularmuschel-Justierung per O-Ring” kommt es jedenfalls NICHT entgegen. Die aber ist erforderlich, denn es fehlt leider die erforderliche Zwischenraste bei den ausdrehbaren Augenmuscheln (AM). Ein Problem, denn erstens drehen die sehr leicht und ohne großen Widestand und zweitens wurde der AP-Abstand auf 20mm vergrößert, wodurch auch Brillenträger die AMs einige Millimeter Herausdrehen müssen, um den perfekten Einblick ohne Abschattungen zu erzielen.

EL 42 - SWAROVISION 42 - Rueckansicht

Im Bereich des geteilten Brücke hat man die Gummiarmierung über das Rahmenmetall gelegt. Nicht schlecht, denn im Winter bekommt man nun nicht mehr so schnell kalte Finger, wenn man die Handschuhe aus läßt.

Die sichtbare Metallkontour ist mehr elliptisch ausgeführt, was dem Glas ein wenig Schwung verleiht und ein Gegenpart zur nun gradlinigeren Rohrkonstruktion darstellt.

Bei der mechanichen Umsetzung der Knickbrücke hat man ebenfalls im Sinne einer Gewichtseinspaarung geschwungene Übergänge gewählt, was dem Glas zusätzliche “Leichtigkeit” verleiht… zumindest hat man den Eindruck, bis man es in die Hand nimmt. Gewogen habe ich es nicht, aber der Gewichtsunterschied ist “gefühlt” nicht vorhanden. Verständlich, wenn man sich das Schnittbild vergegenwärtigt, da ist ja auch so Einiges MEHR drin in den Tuben des SWAROVISION.

Das Gummimaterial der Armierung entspricht dem des alten EL, also ein absolutes PLUS. Ich empfinde diesen Werkstoff als perfekt für die Einsatzzwecke! Weder zu kleberig noch zu rutschig, so ist es für mich ideal.

Der visuelle Versuch

Nun der Gang an die frische Luft mit Herrn Jülich und den Swarovski-Brüdern. Ein erster Blick. Vorsorglich hatte Herr J. die Augenmuschen schon 3-4 mm herausgedreht, so daß es sofort passte. Keine Probleme beim Einblick. Ein helles Bild und saubere Farben, wie erwartet, aber… KEIN WOW EFFEKT kommt auf!

Doch da was ist das? Das Bild zittert! Ist es die Aufregung oder meine notdürftig überstandene Krankheit?
Noch einmal konzentriert angesetzt in Richtung Rhein… scharfgestellt… sehr schön scharf, wirklich!

Doch sofort wieder leichtes Zittern! So ein MIST! Das kenne ich von meinem EL 8×32 überhaupt nicht! Was ist bloß los?
Ich ändere die Haltung der linken Hand in Richtung Objektiv. Jetzt steht das Bild ruhig. Richtungswechsel die Strasse hinauf, weg vom Rhein. Dumm, jetzt komme ich mit meinen kleinen Händen nicht mehr so gut an das Justierrad. ich muss umgreifen und… ZITTERN!

Herr J. reicht mir das “alte” EL. Ich kann seinen Gesichtsausdruck nicht interpretieren, er meinen wohl schon.
Das EL sitzt sofort. Keinerlei Zittern. Ein “Bombeneinblick”, ohne Herausschrauben der Augenmuscheln absolut ideal. Das Fokussieren klappt perfekt :-)

Noch einmal das SWAROVISON genommen und jetzt… wieder Zittern :-( (

Da stimmt was mit dem Schwerpunkt nicht! Herr J. bestätigt, daß sich der nach vorne verschoben hat, auf Grund der geänderten Innenkonstruktion. Ich balanciere es aus und schätze einen gut 2 Finger breiten Unterschied zwischen beiden Versionen. Das gefällt mir nicht besonders!

Wie sieht es nun aber mit der Schärfe aus? Die Betrachtungsmöglichkeiten vor dem Ladenlokal sind zwar nicht ideal, aber auf den 2. Blick zeigt sich dann schon eine deutlich merkbare Verbesserung der Randschärfe des SWAROVISION gegenüber seinem älteren EL Bruder. Wer das auf Grund seiner Beobachtungsweise braucht wird sich feuen, ca. 95 % des Sichtfeldes sind scharf, wenn man die gegenüberliegende Hauswand anpeilt… beachtlich und in der Qualität bisher noch nicht erlebt!

Aber wie sieht es mit dem “Globuseffekt” aus, der muß ja in Folge vorhanden sein? Ja, er ist da, wie sollte er auch nicht? Aber er hält sich in Grenzen und man muß keine Tüte parat halten, nur weil man mal einen schnell vorbeifliegenden Vogel verfolgt. Das würde ich durchaus akzeptieren und könnte damit leben. Wenn nur dieses Zittern nicht wäre!

Ein Quervergleich mit einem Zeiss Victory 8×42 und einem Leica Ultravid 8×42 bestätigte meine Meinung… bei keinem Glas neige ICH so sehr zum Zittern, wie bei dem neuen SWAROVISION. Etwa so, als hätte ich ein 10×42 in der Hand. Das geht so nicht!

Nach wie vor scheint für mich das Zeiss die größte Helligkeit zu besitzen, das Leica den schönsten Kontrast.
Da hat sich also beim SWAROVISION wohl nicht so viel getan. Auf Farbkontouren konnte ich nicht kotrollieren… man müßte den Schatz mal für ein paar Tage Testen können…

Wirklich merkbar ist allerdings die tolle Randschärfe des SWAROVISON, da setzt es wirklich Massstäbe, bei – für mich – vernachlässigbarem “Globuseffekt”.

Der Versuch einer Analyse meines Problems mit dem SWAROVISION

So langsam beginne ich zu frösteln, nein, nicht wegen des unerwarteten Verlaufs meines “Tests”, es ist einfach zu schattig auf der Straße. Also ab ins Ladenlokal und die Dinge analysiert. Ein weiterer Hinweis auf eine “nach vorne” verschobenen Gesamtschwerpunkt finde ich auf der Rückseite des SWAROVISION.
Vergleicht man die Form der Daumenmulden, erkennt man deutlich, das der Konstrukteur schon die Haltung des Glases anders vorgibt, als beim EL. Die Mulden haben einen ausgeprägten Verlauf in Richtung Längsachse, was nur dann ideal passt, wenn man das Glas mit der Hand deutlich weiter vorne umfasst. Dann liegen die Daumen in den Mulden und das Glas liegt “stabiler”… nur ist dann für mich leider das Fokussierrad nicht mehr ohne Probleme zu bedienen… und das empfinde ich als gravierenden Nachteil denn wer bewegliche Ziele anvisiert und verfolgt, der ist pausenlos “am Fiedeln”.

EL 42 - SWAROVISION 42 - EL 32 - Frontansicht

Die schlanker wirkende Neukonstruktion hatte mich im Vorfeld hoffen lassen, daß bei meinem Augenabstand am Ende soviel mehr an Raum vorhanden wäre, um den Fingern genügend Platz zum “Rundumgriff” zu lassen, das war aber nicht so. Verglichen mit meinem EL 8×32 wird schnell deutlich, daß der theoretische Vorteil der geteilten Brücke bei den grossen Büdern durch den merklich größeren Rohrdurchmesser leider nicht vorhanden ist. Kann man beim 32er ganz bequem sogar mit behandschuhten Händen zugreifen, wird es sowohl beim EL als auch beim SWAROVISION selbst im Sommer sehr knapp. Die etwas bauchigere Außenform des EL kommt mir dabei – zur eigenen Überraschung – sogar mehr entgegen als die konische Ausformung des SWAROVISION.

Grundsätzlich ist das SWAROVISION natürlich auf allerhöchstem Niveau, so daß ich mir jedes Wort darüber sparen kann. Trotzdem oder gerade deswegen kann ich meine pers. Enttäuschung nicht verbergen. Waren meine Erwartungen zu hoch? Bei einem Preis, der sicherlich über 2000 Euro liegen wird, darf man schon höchste Erwartungen haben, denke ich.
Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, daß es sich schon um ein sehr exquisites Glas handelt von allerhöchstem technischen und optischen Niveau… nur für MEINE Hände passt es nicht so auf Anhieb, wie ich es gerne hätte. Jeder sollte das NEUE unbedingt in die eigene Hand nehmen und testen, wie er klar kommt. Ich bin sicher, das Problem liegt weitestgehend bei mir ;-)

Persönlich ärgere ich mich nun “kriminell”, nicht doch vor 3 Monaten das “60 Jahre Jubiläumsangebot” von Swaroski angenommen zu habe. Denn das “alte EL” braucht sich keinesfalls gegenüber seinem jüngeren Bruder SWAROVISION zu verstecken. Da passte für “meine Hände und Augen” einfach alles bestens zusammen. Nun grüble ich darüber nach, ob ich noch versuchen soll, so ein “altes EL” zu ergattern… denn noch sind welche am Markt, weiß der Teufel, wie lange noch!?

Wer also in 2009 noch ein EL erstanden hat, kann sich beruhigt zurücklehnen… das gute Stück wird auch weiterhin zur Elite der Binowelt gehören, davon bin ich jetzt überzeugt! Auch wenn das SWAROVISION in Hinblick auf die Randschärfe neue Maßstäbe gesetzt hat. Ein Fernglas ist eben mehr als reine Optik…

Weitere Vergleiche… weil die Gläser in Bonn einfach so “rumstanden”…

Die Firma Jülich Bonn hat außer dem sehr kompetenten Fachmann im Geschäft noch den unschlagbaren Vorteil, die europäischen Spitzenmarken unter einem Dach zu versammeln. Klar, daß ich auch mal einen Größenvergleich mit der Konkurrenz fürs “Familienalbum” festgehalten habe. Da mir der tolle Kontrast des Ultravid besonders ins Auge gestochen hatte, wurde gleich das 42er Leica Modell genommen.

EL 42 - Ultravid 42 - SWAROVISION 42 - Frontansicht

Schon erstaunlich, wieviel kompakter die Konstrukteure aus Wetzlar ihr Baby hinbekommen haben.

Aber auch verblüffend, wenn mal dem Ultravid 8×42 einmal das EL 8×32 gegenüberstellt. Nach dem Vergleich der reinen Katalogdaten hätte ich nie gedacht, das die beiden unterschiedlichen Ferngläser auf den ersten Blick fast gleich groß erscheinen!

EL 32 - ULTRAVID 42 - Frontansicht

Schwarz macht schlank“, war der spontane Kommentar der “geduldigsten Ehefrau von Allen” und so ganz Unrecht hat sie nicht, oder? Meine ursprügliche Abneigung gegen das Leica-Glas wegen des ehemals fürchterlichen Fokussiertriebs der Vorversion kann ich übrigens zum großen Teil revidieren. Die HD version ist schon deutlich besser gelungen, wenn auch längst nicht so butterweich wie bei meinem “uralten” Trinovid.

Vielleicht jetzt ein ernstzunehmender Konkurrent zum SWARO, zumal es mir sofort gut in der Hand liegt?

Ein Tag später und ohne jede “Aufregung” über meine sponntane Enttäuschung

24 Stunden sind vergangen, mein “Ärger” über das Ergebnis meiner Fahrt nach Bonn sind verflogen und beim Lesen meiner Notitzen bekam ich einen Schrecken. War das Glas wirklich so schlecht?

NEIN, im Gegenteil! Formal ist es nun weniger plump, als sein Vorgänger, es wirkt fast zierlich durch die schlanke Kegelkalottenform der beiden Tuben. Die äußere Schlankheitskur konnte den größeren Glasanteil im Inneren kompensieren, sodaß die 800 Gramm Marke beibehalten werden konnte.

In Helligkeit und der Kontrast kann das SWAROVISION seine Konkurrenten immer noch nicht schlagen, diese Features sind allerdings nur um winzige %-Werte geringer als bei den Mitbewerbern.

Bei der Randschärfe aber, da ist es merkbar besser als der Rest des Marktes. In Folge handelt man sich zwar einen leichten Globuseffekt ein, was aber je nach Art der Beobachtung ggf. garnicht ins Gewicht fällt. Ornithologen mögen bei schnellen Schwenks die Sache anders beurteilen, mich würde es nicht besonders stören.

Das Einblickverhalten hat zwar geringfügig genüber dem Vorgänger glitten, ist aber immer noch als sehr gut zu bezeichnen.

Zusammenfassend kann ich also sagen:

Sollte mir der Weihnachtsmann dieses Jahr so einen grünweißen Karton unter den Weihnachtsbaum legen mit dem Aufdruck EL 8,5×42 SWAROVISIONich könnte mich schon daran gewöhnen… Die bisher übliche Handhaltung beim Fernsehen müßte ich allerdings vollkommen ändern, aber wir würden uns schon befreunden … mit der Zeit. Sollte es aber ein “altes” EL 8,5×42 werden, so würde ich auch keine Trauer aufkommen lassen, denn das ALTE ist nicht so wesentlich schlechter als sein jüngerer, schlanker Bruder.

Warten wir also mal ab, was der alte Mann mit dem weißen Bart dieses Jahr in seinen roten Schlitten gepackt hat… wenn er überhaupt in 2009 etwas für den guten pepe dabei hat!

Und sollte er tatsächlich nur Socken und Obehemden abladen… ja dann haben die Absamer Konstrukteure ja reichlich Zeit, sich zu ein paar “kleinen Unsauberkeiten” noch weitere Gedanken zu machen und an der technischen Umsetzung im Detail zu feilen. Ich bin sicher, sie grübeln schon jetzt darüber nach!