Carl Schlieper AUGE Messer “ausgegraben”…
Als ich mehr zufällig meine alten “Fahrtenmesser” in der untersten Schublade meiner “Gerödelkiste” wiedefand, war gleich klar, ein NEUES Messer muss her! Das Internet spuckte sogleich Namen aus, die ich in meiner Jugendzeit noch nicht gehört hatte, die aber heute das “Maß aller Dinge” sind… zumindest, wenn man den einschlägigen Foren Glauben schenkt.
Natürlich wurde sogleich eins dieser futuristisch anmutenden Dinger angeschafft. Schön, sehr schön und alles perfekt NC gefertigt, in untadeliger Qualität und 1A Finish, da gab es NICHTS auszusetzen… oder doch?
Nach 1 Woche des unablässigen Auf- und Zuklappens – mit und ohne Öffnungshilfe – war es mir plötzlich bewußt, diese modernen Dinger haben keine Seele!
Wie anders war da doch das alte, unscheinbare Taschenmesser meines Großvaters, welches ich immer selber so gerne besessen hätte. Ich erinnere mich noch, wie ich dem Opa stundenlang habe zusehen können, wenn er am Fenster saß und schnitzte. Dabei flitzten seine Finger mit der alten, abgewetzten Klinge immer und immer wieder über das Holz, bis ein wahres Wunder an Tierfigur entstanden war … heute leider nur noch Erinnerung.
Durch das häufige Nachschleifen der “nicht” rostfreien Klinge (natürlich nicht!) war die Form und Oberfläche das alten Messers nicht als schön zu bezeichnen, es war mehr zu einem perfekt geformten Werkzeug geworden.
Undenkbar, sich den Grossvater ohne das alte Ding vorzustellen. Versuche der Verwandtschaft, ein modernes, rostfreies Schnitzmesser anzudiehnen, wurden kathegorisch abgelehnt:
“Nein, diese modernen Dinger sind doch nur Schrott!” war die einzige Reaktion.
Niemand außer mir hatte damals dafür das geringste Verständnis. Mir nämlich hatte der Opa das Geheimnis verraten, welches hinter diesem abgenutzten Messer steckte: Die Klingen aus Kohlenstoffstahl ließen sich rasiermesserscharf abziehen (Das wurde auf einem Lederriemen erledigt, der zu diese Zweck in der Küche an der Wand hing). Und zur Kontrolle wurden nach jedem Schleifvorgang immer ein kurzer, demonstrativer Test an Opas Unterarmbehaarung vorgenommen. Ich fand das bewundernswert und hatte immer davon geträumt, so ein Messer zu besitzen, wenn ich einmel “groß” wäre…
Die Jahre vergingen. Schneller als gedacht, bin ich selber “Opa”, aber so ein Messer habe ich noch immer nicht!
Ich musste schon einige Stunden grübeln, bis mir der Name wieder einfiel, den ich damals immer auf der Messerklinge gesehen hatte… nein, es war keine Name, es war ein Logo, ein AUGE, was mich damals immer angeblitzt hatte! Und dann war plötzlich der Name auch wieder da:
“Nimme ein Carl Schlieper AUGE!“, hatte der Opa immer gesagt. “Etwas schärferes findest du nicht!”
OK, wollen wir mal sehen, was der Name im Internet hergibt? Aber die Enttäuschung war gross, da war nix… fast nichts. Amerikanischen Messersammler war der Name zwar geläufig, aber eine Werksadresse war nicht zu finden.
Aber natürlich führte – nach tagelanger Suche – meine Beharrlichkeit endlich doch zum Ziel und der heutige Hersteller der Carl Schlieper AUGE Taschenmesser war gefunden.
Und natürlich bin ich umgehen nach Solingen gefahren und habe mir mein erstes eigenes AUGE ausgesucht.
So kann der Kreislauf weitergehen… ich übe gerade das Schnitzen, damit ich dann eines Tagen in eben solch bewundernden Augen sehen kann, wie ich sie damals hatte, als ich meinem Opa beim Herstellen der schönen Holzfiguren zugesehen habe!
Und für alle “Opas”, die das selben Probleme haben, mit dem modernen, langweiligen Messereinerlei…
hier die Notfalladresse: www.pocketknives.de



