MINOX BV 8×25 BRW – Phasenkorrektur, ja oder nein?
Die Entwickler von hochwertigen Ferngläsern sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, die Qualität des Abbildungsleistung zu steigern. Eine dieser Verbesserungen war die Einführung von Phasenkorrekturbelägen der Prismen. Zunächst nur bei den absoluten Topprodukten zu finden, wurde schon bald auch in der Mittelklasse damit geworben. Wenn nun aber auch bei den preiswerten Vertretern unterhalb von 200 Euro davon die Rede ist, können Zweifel aufkommen, ob diese qualitätsverbessernde Technik auch tatsächlich in der Fertigung umgesetzt worden ist. So auch HIER!
Die Firma Fujinon hatte sich im vergangenen Jahr ja nicht mit Ruhm bekleckert, als der bekannte Journalist Walter E. Schön seine Zweifel bei einem Produkt dieser Marke anmeldete… und am Ende auch Recht mit seinem Zweifel hatte! auf ein Fehlen des beworbenen Phasenkorrekturbelages bei Produkten dieser Marke hingewiesen hatte… was am Ende von den Zuständigen auch zugegeben wurde! (Ich hoffe, Herr Schön, so trifft die Formulierung “besser” den Sachverhalt?)
Das soeben von mir erstandene kleine Minox BV 8×25 BRW hat ebenfalls dieses Feature in den technischen Daten… und das bei einem Preis von nur 99 Euro (Weihnachtsangebot)?! Kein Wunder also, dass kritische Forumteilnehmer nachgefragt haben.
Bei dem kleinen Preis, wärs mir persönlich ja egal gewesen, trotzdem habe ich dann folgende provisorischen Versuchsaufbau vorgenommen:
Auge > Polfilter > Fernglas in umgekehrter Position > TFT-Monitor
Zunächst aber, zur Veranschaulichung der Wirkung, 2 Fotos ohne Fernglas, nur mit Polfilter vor dem Monitor.
Polfilter in Stellung 0° = voller “Durchgang” (links) | Polfilter in Stellung 90° = komplett “geschlossen” (rechts)
Als Vergleich für ein Glas der “Vergangenheit”, bei der noch keine Phasenkorrekturbeläge eingesetzt wurden, musste mein geliebtes und viele Jahre verwendetes Leitz Trinovid 8x32B 130m/1000m herhalten.
Leitz 8x32B 130m/1000m: Kein Farbflächen vorhanden. Reiner “Helligkeitstausch” bei Verdrehen des Polfilters.
Dann war mein neues “Für alle Fälle immer dabei” Minox BV 8×25 BRW an der Reihe.
Minox BV 8×25 BRW: Deutlich vorhandene Farbflächen “tauschen” ihre Einfärbung beimVerdrehen des Polfilters.
Wenn auch die Belegfotos allesamt von mieser Qualität sind – da ohne Stativ und ganz provisorisch geschossen – zeigen sie doch ganz deutlich: Das alte Trinovid besitzt (natürlich) keine… das preiswerte Minox aber sehr wohl die versprochene Phasenkorrektur-Beschichtung!
Also können sich alle Zweifler beruhigt zurücklehenen, denn es gibt doch noch Hersteller/Händler in Deutschland, die ihre technischen Zusagen – auch bei preiswerten Produkten – tatsächlich einhalten.
Daumen hoch also für Minox…
Natürlich ist mir klar, dass mit dem Vorhandensein dieser Beschichtung, dieses Produkt nicht unbedingt “besser” sein muss, als ein konkurrierender Vertreter ohne… aber das war hier auch NICHT die Frage!






Lieber Herr Peperkorn,
zunächst muß ich eine kleine Korrektur an Ihrem Text anbringen: Ich hatte bezüglich der von Fujinon für die Ferngläser HCF 8×25 und Offroad 8×25 versprochenen Phasenkorrektur keine Zweifel angemeldet, sondern unzweifelhaft festgestellt, daß keine Phasenkorrektur vorhanden war – eine solche klare Aussage ist etwas anderes als ein Zweifel, der nur eine unsichere Vermutung wäre. Das hat mir zwar der damals bei Fujinon für Ferngläser verantwortliche Produktmanager nicht geglaubt und deshalb im Forum meine Aussage bestritten, aber am Ende haben die wirklichen Fachleute bei Fujinon doch erkannt und zugegeben, daß ihr chinesischer Lieferant den bei der Auftragserteilung zugesagten Phasenkorrekturbelag nicht aufgebracht hatte.
Was das Minox-Fernglas betrifft, so schlage ich aus zwei Gründen vor, den von Ihnen hochgestreckten Daumen zwar nicht nach unten, aber doch lieber quer zu stellen. Denn erstens zeigen hier beide Hälften links und rechts der Dachkante ziemlich verschiedene Farben, was für einen nur mäßigen und hinsichtlich der Behebung der mangelhaften Interferenz aufgrund der für Dachkantprismen typischen Phasenverschiebung nur teilweisen Erfolg. Zweitens erkenne ich in den Fotos jeweils rechts oben eine kleine Vignettierung des Strahlenbündels (kleines Kreissegment ohne Phasenkorrektur, links weiß und rechts fast schwarz).
Bei einem Dachkantfernglas mit hochwertiger Phasenkorrektur findet zwar beim Verdrehen eines der beiden Polfilter (in Ihrem Test wird natürlich nur das Filter hinter dem Fernglas gedreht, also das augenseitige, denn den Monitor zu drehen wäre zu umständlich) auch ein Farb- und ein Helligkeitswechsel statt, aber die Farben und Helligkeiten in beiden Hälften sind einander dabei stets sehr ähnlich. Das diesbezüglich beste Ergebnis habe ich nach einer Untersuchung von ca. zwei Dutzend fast ausschließlich zur Spitzenklasse zählenden Dachkantferngläsern bei einem Swarovski 8,5×42 EL erzielt: Der meistens grüne Farbton, der nur in einem engen Bereich auf violett umschlug, war in beiden Hälften immer sehr ähnlich, manchmal so, daß man die durch die Dachkante gebildete Trennlinie kaum wahrnehmen konnte.
Ich führe diese Prüfung auf Phasenkorrekturbelag inzwischen seit fast genau einem Jahr an allen von mir getesteten Ferngläsern aus. In meiner Liste
http://www.juelich-bonn.com/jForum/read.php?9,284586,284586#msg-284586
der von mir bisher bezüglich des scheinbaren Sehwinkels vermessenen und dabei auch getesteten 79 Ferngläser habe ich (in der unteren, alphabetischen Auflistung) bei allen darauf geprüften Ferngläsern dann Anmerkungen zum Phasenkorrekturbelag gemacht, wenn ich dabei deutliche Mängel feststellen mußte.
Mit besten Grüßen und Lob für Ihre schöne Homepage
Ihr
Walter E. Schön
Hallo Herr Schön, danke für die Richtigstellung, ich habe mich nun bemüht, den Sachverhalt etwas treffender zu formulieren… wesentlich besser wäre natürlich, dem angegebenen Link zu folgen, und den ORIGINALTEXT zu lesen, denn über Ihre geschulte Sprachgewalt verfüge ich natürlich nicht.
Was die Farbwiedergabe der Fotos betrifft, hatte ich ja bereits auf den “provisorischen” Versuchsaufbau “aus der Hand” hingewiesen. Alles war etwas primitiv und so habe ich weder axial durch die Gläser fotografiert, noch hatte ich die Scharfstellung und die Belichtungsautomatik an meiner Kamera abgeschaltet. So war es klar, dass es zu Helligkeits- und Farbverschiebungen kommen mußte. Mit dem Auge betrachtet, entsprechen sich die Farben sowohl in der Helligkeitsstufe als auch in der Farbe weitgehend.
In Natura war das dazu noch alles wesentlich heller als im Foto… jedoch erheblich dunkeler als z.B. bei meinem El 8×32.
Die kleine Ecke oben rechts im Bild war bei axialem Durchblick NICHT zu erkennen. Mir ist aber schon klar, dass bei dieser Preisklasse der Hersteller keine grossen “Reserven” einkonstruieren kann. Hier ging es lediglich um die – im Artikel angesprochene – Überprüfung des Belages.
PS
Das Lob hinsichtlich der Qualität meines Blogs aus Ihrem Munde… ehrt mich besonders