MINOX BV 8×25 BRW – Verblüffende Leistung

MINOX - LogoUnabhängig von meinen “binokularen” Betrachtungen im TOP-Bereich europäischer Fernglasmarken innerhalb der vergangenen Monate, habe ich zeitgleich auch nach einem kleinen Fernglas “für immer dabei” gesucht, welches sowohl preiswert zu haben, gleichzeitig aber auch nicht allzu schlecht in der Leistung sein sollte.

Die Gläser der 8x20er TOP-Klasse, sind zwar sehr kompakt und von überagender optischer Leistung, aber

1. recht teuer – ein halber Tausender sind da schon fast “günstig”
2. wegen recht kleiner Fokussiertriebe nicht sonderlich ideal in der Handhabung
3. die Nahgrenze in manchen Fällen nicht mehr zeitgemäß und für Insektenbeobachtung nicht ausreichend kurz
4. mir “einfach zu schade”, sie bei jedem Wetter in der Anoraktasche oder im Handschuhfach durchzuschütteln

Sieht man sich im Internet um, findet man massenhaft Firmen bzw. Onlineshops, die günstig “Spielsachen” dieser Art anbieten. Allerdings handelt es sich meist um vollkommen unbekannte Namen, die zudem im europäischen Bereich nicht ansässig sind, sodaß es bei möglichen Reklamationen zu größeren Schwierigkeiten kommen  könnte, als ich mir einhandeln möchte. Ein bekannter “Deutscher Name mit Tradition” wäre mir da natürlich lieber, aber geht das überhaupt zum “kleinen Preis”? OK, ich habe keine zu hohen Erwartungen!

Minox BV 8x25 BRW - Frontansicht

Als dann die Firma MINOX aus Wetzlar auf ihrem digitalen “Weihnachtskalender” mit Datum vom 7.12.2009 ein passendes Glas anbot, zu einem um ca. 40% reduzierten Preis von 99 Euro… habe ich gleich zugeschlagen.
So schlecht kann es garnicht sein, wenn die angegebenen technischen Daten nur einigermassen stimmen – und bei dem “Herstellernamen” habe ich nicht ganz so große Zweifel. OK, garantiert wird es aus asiatischer Produktion stammen, aber was kommt heutzutage nicht von dort? Aber auf diese Weise habe ich jetzt zumindest “eine Ansprechadresse fast um die Ecke”.

Die technische Kennwerte des “BV 8×25 BRW”  laut Minox Datenblatt

  • Vergrößerung: 8x
  • Eintrittspupille: 25 mm
  • Austrittspupille: 3,1 mm
  • Sehfeld: 119 m / 1000 m = 7,4°
  • Pupillenschnittweite: 15,5 mm
  • Nahdistanz: 2,4 m
  • Dämmerungszahl: 14,1
  • Funktionstemperatur: -10° bis +40° C
  • Wasserdicht: ja, bis 3 m Tiefe
  • Höhe, Breite, Tiefe: 109 x 98 x 39 mm
  • Gewicht: ca. 295 g
  • Ausstattung: Stickstoff-Füllung, Prismen mit Phasenkorrektur-Belag
  • Bestell Nr.: 62171

Bedenkt man den vorgesehenen Einsatzfall und den moderaten Preis, dann kann man eigentlich nicht meckern… kompakt, leicht, wasserdicht, mit Phasenkorrekur-Belag… schaun mer mal, wie “das gute Stück” in Natura aussehen wird und – vor allem – was man in der Natur dadurch erkennen kann.
Besonders gespannt bin ich darauf, welche Abstriche man am Ende machen muß, gegenüber einem Fernglas der Topklasse… jedoch bei einem Preisfaktor von ca. 1/15.

Die Onlinebestellung war in Minutenschnelle erledigt. Umgehend kam per E-Mail die Bestätigung mit Auftragsnummer etc. Nun ist Warten angesagt! Die Zeit vertreibt man sich mit Lesen von mehr oder weniger guten Kritiken eben dieses Glases. Man redet sich natürlich ständig ein, bloß nicht zuviel zu erwarten, um dann nicht zu sehr enttäuscht zu sein. Gleich mal überlegen, wem man es zu Weihnachten schenken könnte, wenn es dann doch nicht wirklich gefällt…

Endlich, der freundliche Paketbote ist da…

Das Warten ist eben so spannend, wie bei einem erheblich teureren Glas. Der Paketbote kommt dann endlich nach “3 langen Tage”, eine elektronische Unterschrift ist schnell hinkekritzelt und ab an den Schreibtisch, das Päckchen will ausgepackt werden. Gespannte Erwartung, trotz und wegen dieser ungewöhnlichen Preisklasse!

Keine äußere Beschädigungen, das ist schon mal der 1. Schritt. Vorsicht die Verklebung des kleinen Versandkartons aufgeritzt.

Paket-1 - aufgeschnittenPaket-2 - FuellmaterialPaket-3 - what is in the boxPaket-4 - Karton geschlossen

Gut geschützt durch reichlich geknülltes Packpapier das nahezu winzige Päckchen mit dem Fernglas.

Paket-5 - Karton offenPaket-6  - Karton InhaltTasche mit TragriemenTasche mit Inhalt

Neben einer Schutztasche aus Kunstleder liegt ein recht ordendlicher Neopren-Tragriemen (beachtlich bei diesem Leichtgewicht von gerade einmal 300g) ein Optikputztuch, eine mehrsprachige Bedienungsanleitung und ein Prüfbescheinigung (in Deutscher Sprache!). In der Tasche selber dann das “gute Stück”.

MINOX-BV 8x25 BRW - Rueckansicht

Auf den ersten Blick… garnicht schlecht für die paar Kröten ;-)

1. Eindruck:
Das macht spontan einen ganz passablen Eindruck… nicht zu leicht und auch die Gummiarmierung ist nahezu geruchfrei und ohne hässliche “Schweißnähte” an den Form-Trennflächen.

Armierung:

Die grüne Gummiarmierung ist weder klebrig noch rutschig. Eine leicht porige Oberfläche vermittelt den Eindruck, dass es hier keine Probleme geben wird. Um einen ganz leichten Kunststoffgeruch wahrnehmen zu können, muß man schon mit der Nase die Gummiarmierung berühren. Bedenkt man, dass das kleine Ding ja auch flammneu ist, kann man davon ausgehen, dass nach 1-2 Wochen keine Ausdünstung mehr zu bemerken sein wird.

Haptik/Handlage:

Das MINOX liegt sofort gut in der Hand… es verschwindet nahezu darin, selbt bei meinen kleinen Händen. Aber es sollte ja auch bewußt sehr kompakt sein, um es auch immer und überall dabei haben zu können. Gegenüber den winzgen “Kompaktgläsern” allerdings ist es schon deutlich “griffiger” und kann als echtes kleines Fernglas bezeichnet werden.

Die Griffmulden auf der Tubusrückseite sind zwar sehr nett, wären aber garnicht erforderlich gewesen, da man die Daumen fast auf der gegenüberliegenden Mulde ablegen kann. Allerdings hindern sie auch nicht.

Fokussiertrieb:
Die Fokusierung ist vollkommen spielfrei und läßt sich, dank der relativ gross dimensionierten Verstellwalze (ca. 22,5 mm Durchmesser) wunderbar ruckfrei und butterweich bedienen. Selbst wenn man das kleine Gläschen nur mit einer Hand hält, ist die Fokussierung mit Daumen und Zeigefinger der selben Hand ein reines Kinderspiel.

Fokussierrichtung:
Wie erwartet, bei Gläsern aus asiatischer Fertigung, so auch hier die “falsche” Richtung… also anders, als bei den Europäischen Top-Produkten, ist die Naheinstellung im Uhrzeigesinn erreichbar.
OK, bei dem Preis muß man kompromisse machen. Wird schon gehen und ist somit akzeptiert!

Naheinstellgrenze:
Die kürzeste Einstellentfernung liegt bei gemessenen 1,5 Metern. Allerdings ist das dann besser nur mit einem Auge zu machen, denn die beiden Rohre scheinen jetzt nicht mehr genau auf das Ziel ausgerichtet zu sein. Bis ca. 2,0 Meter bemerkt man dieses Problem allerdings nicht. Natürlich muß für diesen nahen Bereich die Knickbrücke etwas näher eingestellt werden, aber das ist ja auch bei TOP-Gläsern nicht anders!

Drehungen in Grad von Unendlich bis 2 Meter:
Insgesamt läßt sich die Verstellwalze zwischen den mechanischen Anschlägen um ca. 300 Grad drehen. Die Fokussierung ist somit sehr schnell. Für meine Verhältnisse “zu schnell”, denn man schießt damit auch flux mal “übers Ziel hinaus”. Allerdings habe ich mit meinem Swarovski EL 8×32 auch ein Glas, welches das extreme Gegenteil darstellt. Also muß man für eine abschließende Wertung doch ein paar Tage vergehen lassen und das kleine Glächen zwischnzeitig eifrig nutzen. Warten wir als noch ein paar Tage…

Nach 3 Tagen kann ich sagen, etwas mehr Feinheit (feinere Gewindesteigung) wäre mir pers. angenehmer , aber man kann – wenn man Einsatzfall  ud Preis bedenkt – damit leben.

Justierung des rechten Okulars:
Das ist etwas fummelig, was wohl an der “schnellen” Gewindesteigung liegt. Es ist keine  mechanische Rastung vorhanden, die Einstellung soll also auf Grund der vorhandenen Friktion in der gewählten Position verbleiben. Eine deutlich sichtbare Einkerbung in der Armierung zeigt, ob das auf lange Zeit auch so bleibt. Da ich aber grundsätzlich mit Brille beobachte, ist dieser Faktor für mich vollkommen unerheblich.

Augenmuscheln:
Drehsaugenmuscheln mit 2 Zwischenrasten, die aber so schlapp rasten, dass ich froh bin, dass die voll eingeschraubte Position für mich ideal ist. Jeder, der ohne Brille beobachtet, wird zur O-Ring Lösung greifen müssen, um ein Verstellen beim Visieren sicher zu verhindern.

MINOX - BV 8x25 BRW - Frontansicht - Okularmuschel - 1-1 MINOX - BV 8x25 BRW - Okularmuscheln-Verstellweg - 3-2

Augenmuschel “voll eingedreht” und “in gerasteter Zwischenlage”. Maximal ist der doppelte Weg möglich!

Brillenträgertauglichkeit:
Um den bestmöglichen Einblick zu erhalten, muß ich die Augemuscheln komplett einschrauben. Je nach Korrekturfaktor und Ausührung der verwendeten Brille könnte es knapp werden, für mich passt es allerdings ideal. Das Glas hat einen erstaunlich guten Einblick, natürlich ist bei 8×25 und ca. 3,1 mm Austrittspupille genaues Einstellen des Augenabstandes erforderlich, insbesonder, wenn gute Lichtverhältnisse schon winterlich früh zu schwinden beginnen. Hat man das aber erledigt, kann man nicht klagen.

Knickbrücke und Verstellungskraft:
Die erforderlichen Verstellkräfte sind gering, aber nicht zu knapp um ein schnelles, unbeabsichtigtes Verstellen zu verhindern. Die Bewegung läuft satt und nicht ruckelig. Das habe ich schon viel schlechter erlebt und das bei erheblich teureren Fabrikaten!

Wackelneigung:
Wegen des leichten Gewichtes von 300Gramm kann man keine “Massenstabilisierung” erwarten… trotzdem liegt das kleine MINOX ruhiger, als z.B. die meisten echten Taschengläser der 8x20er oder 10x25er Klasse. Da machen 80-100 Gramm Mehrgewicht doch schon etwas aus. Auch die mechanisch größere Bauform hilft, das Glas “überhaupt irgendwo” zu packen und ruhig zu beobachten.
Spontan schießt mir durch den Kopf… 500-600Gramm ist wohl tatsächlich die perfekte Lösung… aber um die geht es HIER ja nicht!

Tasche:
Kunstledertasche mit Schnapp-Verschluss, ohne separaten Tragriemen, aber mit Gürtelschlaufe. Das ist nicht schlecht, da man sich die Tragweise den Erfordernissen entsprechend aussuchen kann. Die Verarbeitung ist so “elastisch”, dass man die nicht benötigte Tasche auch flach zusammengedrückt leicht in Anorak- oder Fahrrad-Packtasche verschwinden lassen kann.

Tragriemen:
Nylonriemen mit Neoprenelement im Nackenbereich, wegen des geringen Gewichtes zwar nicht erfordelich. Nach einer Stunde dann aber die Feststellung… auch ein Leichgewicht von 300g wird mit der Zeit wesentlich tragbarer, je breiter und weicher der Tragriemen ist. Stabile Ösen am Glas sorgen für eine sichere Riemenbefestigung. Zwar ist alles etwas kleiner ausgeführt als bei den dicken Boliden, aber es passt alles sehr gut zueinander. Wegen der kurzen Baulänge neigt das Glas bei eingestelltem Augenabstand zum “Schiefhängen”, durch das geringe Gewicht von 300 Gramm führt das allerdings nicht dazu, dass einem nach wenigen Minuten das Frühstück hochkommt.

Okularschutz/Objektivschutz:
Nicht vorhanden… Na ja, bei dem Preis sieht man darüber hinweg und ist “sowieso etwas großzügiger”, denke ich.

Helligkeit:
Wird noch nachgereicht… Warten wir das Wochenende ab!

Randschärfe und Kontrast:
Am Sonntag war endlich auch mal Sonnenschein, deshalb also jetzt die Feststellung: Das Minox ist kein Nachtglas, was es auch nicht sein will oder kann. Trotzdem ist bei bedektem Himmel und Tagesbeobachtung die Beobachtung sehr passabel möglich, Die Farben sind weder extrem blass noch fehlt es an Erkennbarkeit. Scheint aber die Sonne, dann ist das kleine MINOX in seinem Element. Sehr ordendliche Farbwiedergabe und auch die Mittenschärfe ist nicht übel. Natürlich muß man in Durchmesserbereichen ab ca. 60% dann Abstriche machen… zum Rand hin wird es dann ungemütlich. Wer aber das Ziel immer im Zentrum des Glases hält, kann ganz zufrieden sein.
Die 119m/1000m Gesichtsfeld sind ebenfalls nicht zu übel, wenn man den Schärfenabfall am Rande akzeptiert.

Kontouren:
Wird noch nachgereicht… Warten wir das kommende Wochenende ab!

Der Versuch einer (subjektiven) Schlußbewertung

Um es gleich vorwegzunehmen, dieses kleine Glas kann meinem “grossen” EL 8×32 WB natürlich nicht das Wasser reichen, aber das war ja weder zu erwarten, noch erhofft, wenn man den Preisfaktor von 1/15 berücksichtigt.
Die Wertung muß also immer unter Berücksichtigung dieses Preisunterschieds gesehen werden.

Vergleich zum kleinen Leica Trinovid 8×20 BL:
Wird noch nachgereicht… Warten wir das kommende Wochenende ab!

Leica-Trinovid - MINOX - BV 8x25 BRW - Frontseite Leica-Trinovid - MINOX - BV 8x25 BRW - Objektivseite

Der Größenunterschied zumindest ist schon einmal gut merkbar…Wem es auf absolut filigranes Packmaß ankommt, der wird wohl auf die schlanken Kleinen aus bestem Hause zurückgreifen müssen… vorausgesetzt, der notwendige Mehrpreis kann dafür locker gemacht werden und wird nicht anderweitig sinnvoller benötigt.

Leica-Trinovid - Objektivbeschichtung MINOX - BV 8x25 BRW - Objektivbeschichtung

Wenn mir auch die Farbe eigentlich egal sein kann, sieht man aber, daß sich beim MINOX so Einiges getan hat. Die blaue Beschichtung der 80er Jahre ist einem grünorange Farbenspiel gewichen, welches auch beim Swarowski zu finden ist… ob daraus aber auf “identische” Qualität geschlossen werden kann, bezweifle ich einfach mal.

Vergleich zum Swarovski EL 8×32 WB:
Soll ich das tatsächlich machen… ich glaube das wäre unfair, oder? Ich lasse das also einfach weg!

Das (subjektive) Preis/Leistungsverhältnis und der Gebrauchswert
Wird noch nachgereicht… Warten wir das kommende Wochenende ab!

Kategorie: FernglasMinox BV 8x25 BRW
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