Zeiss Victory 8×32 T* FL : Auf der Suche nach dem Gral

Zeiss Victory 8x32 FL - FrontlinseWenn man begonnen hat, sich mit dem Thema Fernglas zu beschäftigen, wird man spätestens nach dem Besuch des Forums der Firma Jülich-Bonn von einem Virus befallen. Dieser Virus “Binocularitis brutalis” ist dazu noch mit einer besondern Eigenschaft behaftet, die ihn äußerst gefährlich macht, sowohl für den Betroffenen als auch seine nähere Umgebung. Die in kürzester Zeit entflammende Krankheit bemächtigt sich des Befallenen voll und ganz. Selbst leicht betroffene Patienten werden innerhalb von 8-14 Tagen die Neuanschaffung eines “lange überfälligen” Fernglases der gehobenen bis oberen Preisklasse planen und realisieren!

Die “schlimmeren Fälle” aber – und das ist die Mehrzahl – lassen nicht locker, bis neben dem Universalglas für jedes Familienmitglied auch ein Spezialglas zur Himmelsbeobachtung sowie ein Spektiv mit Vario-Okular, ein bombenfestes Carbon-Stativ und eine Digital-Kamerausrüstung mit allen erforderlichen Adaptierungen im Hause ist.

Ich befürchte, zu der zweiten Gattung zu gehören :-( Zumindest scheint es so, wenn man die Höhe des Katalogstapels bedenkt, den ich ständig mit mir herum schleppe.  Ein Teufelsvirus, der auch noch Spaß macht!

Nach dem Kauf des erstklasigen Swarovski EL 8×32 WB vor einigen Wochen hatte ich mir ja bereits das ebenso verlockende Kowa Genesis/Prominar 8×33 angesehen… allein der anstehend Sommerurlaub hatte mich noch so eben vor dem Kauf zurückschrecken lassen.

Nun scheint die nächste Welle der Kranheit hochzuschwappen – vergleichbar mit den heimtückischen Malariaanfällen – der nächste Kandidat steht vor der Tür… nein genauer gesagt, ist bereits im Hause. Schuld ist die Firma Zeiss, die mit ihrere Aktion: “Leihen dir doch einfach mal ein Victory FL für ein paar Tage aus…”, dem Virus neue Nahrung bietet.

OK, ich habs also getan und 3 Tage lang das Zeiss Victory 8×32 T* FL “getestet”.

Zeiss Victory 8x32 FL - Swarovski EL 8x32 WB -- Groessenvergleich

Auf den ersten Griff ein bildhübsches Glas, was durch seine ca. 20 mm kürzere “Baulänge” und das um ca.  60 Gramm geringere Gewicht sofort ins Herz geschlossen werden muss. Dazu gut ausbalanciert und ein sehr gutes Einblickverhalten. Obwoh beide Gläser fast identische Werte für den AP-Abstand angeben, hat man beim Victory Reserve und kann die Augenmuschel einige Millimeter herausdrehen. Das geht wegen der sehr präzise arbeitenden 2 Zwischen-Raststellungen wunderbar. Zu meiner Brille “passt” exakt die erste Raste, die sich auch nicht löst, wenn man das Glas wiederholt mit Okularabdeckung versehen in der Corduratasche verpackt.

Zeiss Victory 8x32 FL - mit OkularschutzZeiss Victory 8x32 FL - Okularstellung 0 - 0Zeiss Victory 8x32 FL - Okularstellung 1 - 2Zeiss Victory 8x32 FL - Okularstellung 0 -3

Die Fokussierung ist dagegen beim Swarovski unschlagbar leichtgängig und selbst wenn das Glas mit einer Hand bedient werden muß, so läßt es sich auf Grund der offenen Knickbrücke unerreicht leicht halten und fokussieren.

Die optischen Qualitäten sind nahezu gleichwertig, wobei mal der eine mal der andere die Nase geringfügig vorne hat… aber nur um winzige Millimeter! Einen Kaufentscheid muß jeder nach eigener Bewertung treffen.

Der Versuch, dieses sehr schöne Victory der besten Ehefrau von allen noch vor dem Urlaub “nahe zu bringen” sollte nach diesem Test allerdings vollkommen fehlschlagen :-(

Zeiss Victory 8x32 FL - Leitz Trinovid 8x32 BNein, es lag nicht an den optisch/mechanischen Daten, das sei besonders betont. All die Werte wurden ausdrücklich und bewundern zur Kenntnis genommen und – ohne mehrfaches Nachfragen – entsprechen gewürdigt. Es war eine reine Frage der Haptik.

Zugegeben hat die Dame meines Herzens sehr kleine Hände und verglichen mit dem bisher favorisierten Leitz Trinovid 8×32 B in schlankem Lederoutfit und mit lächerlich geringen 480 Gramm auf der Waage, kann das deutlich “bulliger” wirkende Zeiss Victory 8×32 T* FL im Gummikleid mit griffigen Längsrippen nicht punkten. Das Foto links zeigt den merklichen Unterschied im Durchmesser, was soll man machen?

Zeiss also nur ein Glas für richtige Männer?

Eher könnte sie sich wohl mein Swaro vorstellen… wenn das Gewicht nicht wäre und ich es “freiwillig” hergeben würde !

Ich befürchte, da ist tatsächlich nur eine Lösung gangbar… wenn der nächste Schub der “Binocularitis brutalis” ausbricht, werde ich – Wohl oder Übel – auch das Leica Ultravid 8×32 HD noch ins Haus holen müssen, für einen näheren Vergleich. Zumindest nach dem Papier hätte man da einen Kompromiss zwischen elegater, schlanker Form und “ertäglichem” Gewicht. Wenn nur der AP-Abstand zur Brille “passt”.

Warten wir also ab, was der Virus macht… und ich werde noch mal kurz im Forum stöbern, OK?

PS

Gerade habe ich – schweren Herzens – das Victory zurückgebracht. Irgendwie hat man einfach zu wenig Geld übrig, für solche schönen Spielereien. Ich glaube, ich muß mal wieder Lotto spielen ;-)

Bei der Gelegenheit habe ich natürlich schnell mal einen kritischen Blick auf und durch das angesprochene Ultravid geworfen. OK, was sollte ich denn machen, das stand da einfach so “rum”? Entweder ich bin durch den Virus vollkommen entscheidungsunfähg geworden, oder das kleine Ding ist wirklich “nicht ohne”.
Bei der HD Variante scheint man an der Fokussiermechanik wohl endlich modifiziert zu haben. Bei dem Probeglas war nahezu kein Schleifgeräusch beim Fokussieren mehr zu bemerken, ein kontruktiver Fehler, der mich seit der Markteinführung der Ultravid-Serie immer enttäuscht vom Kauf zurückgehalten hatte…

Ganz schön bunt hier… Optische “Beschichtungen”

Als ich mit der Fotografiererei anfing, war der Begriff “Vergütung” und “reflexmindernde Beschichtung” auf der Verbraucherseite noch nicht so in aller Munde, wie heute. Als ich dann aber mein erstes Leitz Fernglas anschaffte, hatten gute Fabrikate eine blaue-violette Beschichtung zu besitzen, dann war es die GUTE Variante und irgendwann zogen andere Hersteller nach.

Verrückt ist es ja schon und für den “normalen” Menschen ohne 8 semestriges Studium der optischen Physik kaum verständlich, daß etwas “durchsichtiger” werden soll, wenn man was farbiges draufschmiert, oder? Vor 25 Jahren hätte ich mich wahrscheinlich noch unruhig gefragt: wieso, weshalb, warum?

Heute sehe ich die Sache wesentlich gelassener. Sollen die doch draufschmieren was sie wollen, hauptsache ich bekomme einen guten “Durchblick” geboten. Der von mir sehr verehrte Herr Walter E. Schön würde das sicher nicht so einfach hinnehmen und eben diese Fragen stellen… und beantworten. Höchst  wahrscheinlich würde er mir aus dem Stehgreif mindestens 3 DIN A4 Seiten herleiten können, welches heute die RICHTIGE Farbe ist.

Schade das ich nicht in München wohne, ich würde einfach bei ihm vorbeischauen und fragen… denn das Kapitel “Beschichtung und Vergütung von optischen Gläsern”… hat er sicherlich schon als Konzept für sein Fernglasbuch auf dem MacBook abgespeichert.

So begnüge ich mich einfach mit einem Blick auf die Frontlinsen und freue mich am “schönen Farbenspiel” :-)

Leitz Trinovid 8x32 B - FrontlinseZeiss Victory 8x32 FL - FrontlinseSwarovski 8x32 EL - Frontlinse

Leitz-Service nach 30 Jahren : Die volle Punktzahl!

Nach fast 30 Jahren habe ich noch ein Ersatzteil bekommen… und das ohne jegliche Kosten! Wenn das kein Kundendienst ist! Also mal ein DICKES LOB an den Kundendienst nach Solms mit einem grossen DANKESCHÖN!

Leitz Trinovid 8x32 B - Augenmuscheln defektVorher, nacher, da braucht man nicht lange zu überlegen, welcher Text zu welchem Bild gehört, oder? Das Gummi der Stülp-Augenmuscheln war – und das bereits seit einigen Jahren – spröde geworden und an den “Klappstellen” eingerissen, so daß ich sie irgendwann im Urlaub kurzerhand mit einem Cuttermesser sehr unsanft vollständig abtrennen mußte.

Da schon länger hier am Ort und Umgebung die guten Fachgeschäft ausgestorben sind oder der Übemacht grosser Elektromärkte weichen mußten, war kein Ersatz zu bekommen und so wurden die abgetrennten Enden kurzerhand umgekehrt wieder über die Okulartuben geschoben… nicht sehr schön und eines Trinovid sicherlich nicht würdig.
Die Jahre gingen ins Land, man gewöhnte sich an den Zustand und… man sollte nicht so kleinlich sein, das Trinovid ist schließlich ein Gebrauchsgegenstand.

Erst nach dem Kauf des neuen Glases ( ), besann ich mich des Problems, um ggf. den ansonsten sehr gut erhaltenen Oldie noch für ein paar Euronen in der “Bucht” verkaufen zu können. Und da der PC auf dem Tisch steht, habe ich per E-Mail eine freundliche Anfrage beim Kundendienst von Leica gestartet, mit der Bitte, mir eine Bezugsquelle zu nennen, bei der die aufschraubbaren Augenmuscheln doch noch zu bekommen sein könnten…. Es verging nicht eine Woche, da steckte bereits ein gefütterter Briefumschlag in strahlendem Weiss im Briefkasten. Ahh, wohl die Mitteilung, daß man mir leider nicht helfen könne und einige Prospekte mit neunen Produkten zur gefälligen Kenntnisnahme? Weit gefehlt!

Fein säuberlich verpackt, zwei niegelnagelneue Ersatz Augenmuscheln… Ich war platt! Dazu lediglich eine Versandbestätigung mit der Teilenummmer… und KEINE RECHNUNG.

Na Freunde, wenn das kein SERVICE ist, von Leitz/Leica! UND DAS NACH FAST 30 JAHREN!

Leica Trinovid 8x32 B - Okulare und VerstellungDas alte Provisorium runter und die “strahlend neuen und elastischen Ersatzteile aufgeschraubt war in maximal 15 Sekunden erledigt… und passte “wie angegossen”! Kein Wunder, ist ja ein original Leica Ersatzteil.

Ob ich das “alte” Glas jetzt bei Ebay verscherbelt habe?

Um Gottes Willen NEIN, wie sollte ich, ist es doch nahezu “wie neu” und wieder voll einsatzbar. Keinerlei Problem mehr, bei der Verwendung mit Brille.
Alles wieder “butterweich”, wie am ersten Tag. So laß ich mir das gefallen!

Wir brauchen uns also nicht unbedingt nach “Neuware” umzusehen, wenn es um  die “optische” Begleitung für Theateraufführungen geht. Das kleine und unauffällige Leitz Trinovid 8×32 B wird so sicher noch einige Jahre unser treuer Begleiter sein, bei Veranstaltungen, auf denen wir nicht “jagdmäßig” erscheinen wollen, sondern eher eine etwas zurückhaltendere Gangweise angebracht ist. Denn mit einem jagdgrünen Swarovski EL würden wir beim Besuch einer Balettaufführung garantiert zurückgewiesen werden, aus Angst, wir könnten den “sterbenden Schwan” noch vor dem großen Auftritt “erlegen” wollen. Das kleine Schwarze mit der eleganten Belederung und den neuen Augenmuscheln vom Leica Kundendienst allerdings fällt da kaum auf.

Es lohnt sich also doch, in ein sehr gutes Glas ein paar Mark/Euros mehr zu investieren. Nicht nur die optische Qualität ist erkennbar besser als beim Mittemaß, nein auch die Nutzbarkeit über lange Jahre ist so garantiert.

Plötzlich kam dann ein schlechtes Gewissen, hatte ich mir doch soeben ein neues Allroundglas des alpinen Mitbewerbers zugelegt.

Aber Quatsch! Gestern habe ich das neue Leica Monovid auf der Internetsite entdeckt, ein bildhübsches, schnuckeliges Spielzeug für ältere Jungen (und Mädels) zum “immer dabei haben”. Mal sehen, was in der Bunkerkasse übrig geblieben sein wird, wenn wir aus dem Urlaub zurück sind.
Wer weiß, vielleicht liegt ja dieses Jahr mal wieder einer dieser hübschen weißen LEICA Kartons unter dem Weihnachtsbaum…