Pepes Memoiren – 6. Die erstes Dunkelkammer
pepes ”wahre” Foto-Geschichte, zusammengefaßt in 10 Akten
Die Schule war beendet… endlich! Das Abitur im Sack meinte ich, die Welt umarmen zu können. Mittlerweile teilte ich meine Freizeit zwischen der Fotografie und einer “festen Freundin” auf, was mir
- zugegebenermaßen – nicht schlecht gefiel. Der zeitliche Schwerpunkt lag deutlich verschoben in Richtung “fester Freundin” aber das ärgerte mich eigentlich weniger, ganz im Gegenteil.
Bei einem der ersten Besuche im Elternhaus meiner “Angebeteten” machte ich eine folgenschwere Entdeckung… Der Vater meiner Liebsten war ebenfalls Fotofan und - verdammte Tat - Besitzer einer Leica M3 nebst einiger ausgewählter Objektive
Wen wundert’s, daß die Gespräche “nach dem Essen” immer wieder mal auf die Fotografie zu sprechen kamen, etwas zum Unwillen meiner Freundin…
Aber meine Angebetete hatte die Liebe zur Fotografie von ihrem Vater geerbt und so fügte sich manches recht schnell zusammen. Im ersten gemeinsame Urlaub wurde - unter anderem - sehr viel fotografiert, jeder hatte “natürlich” seine eigene Kamera dabei und es entbrannte ein kleiner Wettstreit, wer denn das bessere Auge für Motive hätte. Ich muß gestehen, schon damals war ich hoffnungslos unterlegen…
Stundenlang konnten wir damals hinter einem geeigneten Motiv und der passenden Perspektive herjagen. Stundenlang wurden später die Ergebnisse diskutiert und – sehr objektiv - bewertet. Wenn das keine gute Grundlage zu einer engeren Verbindung ist, was dann. Aber das ist eine ganz ander Geschichte…
Da aus dem jungen pepe mal “etwas Vernünftiges” werden sollte, hatte er sich aufgemacht zur RWTH Aachen, um dort Maschinenbau zu studieren. Eine ungeheuer interessante Fachrichtung, die – weil von mir sehr ernst genommen – sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Bei 60 Wochenstunden Vorlesungen und Übungen, und den zusätzlichen konstruktiven Arbeiten, blieb wenig Zeit für ein vergnügliches Studentenleben. Das gibt es so wohl nur in deutschen Fensehserien…
Allerdings hatte ich in einer Sache Glück!
In “meinem” Studenten-Wohnheim gab es eine Dunkelkammer!
Ein winziger Raum im Keller – 1 x 1,8 Meter groß – fensterlos, aber eine richtige Dunkelkammer eben, mit allem was man so brauchte für die Positiventwicklung.
Der DURST Vergrößerer war bis 6×6 ausgelegt und hatte einiges an Features, um mit den vielen geschossenen Bildern einige Experimente anzustellen.
Allein die zeitliche Belegungs-Planung war ein Problem…. Die Dunkelkammer mußte zwischen ca. 250 Stundenten koordiniert werden. Zeit hatte ich eigentlich nur am Wochenende und meine Freundin wollte “natürlich” auch mitmachen… Ich sag doch, das Mädchen war ein echter Volltreffer !!! Andererseites konnte sie auch nicht “so einfach mal zwischendurch” per Zug anreisen – das Geld war knapp damals!
Na aber irgndwann klappte es dann mal wieder. Alle Weichen standen auf GRÜN. Die Negative waren bereits vorab sortiert. Die Entwicklerflüssigkeit etc. in ausreichener Menge angesetzt und wohl temperiert… nichts sollte die kostbaren Laborstunden negativ beeinflussen! Die Chemie kam von TETENAL. Alles, was der Fotolaborant so benötigte, war dort auch in kleinen Gebinden vorhanden… und das zu einem “zivilen” Preis, sodaß auch ein “armer Student” zugreifen konnte… die Qualität war zudem noch “absolute Spitzenklasse”. Eine perfekte Kombination also !



TETENAL – schon vor 40 Jahren ein komplette Produktpalette… und das gilt noch heute gleichermaßen !
Natürlich wollte jeder seine eigenen Bilder auch selber vergrößern, sodaß in dem winzigen Räumchen ein gutes Timing erforderlich war, damit jeder zu seinem Recht und den entsprechenden “Gerätezeiten” kam. Nicht selten gingen wir pünktlich um 20:00 Uhr ins “Labor” und hielten es dann, trotz schlechtere Belüftung bis morgens 4:00 Uhr aus… schließlich wollten wir unsere Bilder optimal vergrößert haben.
Auf der Bude zurück – ein kleines Appartementchen von 12,5 Quadratmeter Grundfläche – mußten noch die Bilder auf die bereits am Vorabend gespannten Leinen zur Endtrocknung befestigt werden… und dann waren wir “kaputt”… aber glücklich. Unsere Bilder waren – mit allen Tricks der SW-Vergrößerungstechnik ausgearbeitet – auf bestem Hochglanz-Papier angekommen.
Nach ein paar Stunden Schlaf wurden dann die eigenen Produkte sauber Beschnitten, auf Karton aufgezogen oder mit Passepartouts versehen. So verging auch der Sonntag wie im Fluge. Um 20:00 Uhr ging der letzte Zug für meine Freundin ab nach Hause… beladen mit den Schätzen der Labornacht!
Wen wundert es, daß wir irgendwann nach dem Studium dann “zusammenzogen”… wie hätten wir schließlich die vielen Vergrößerungen anders “gemeinsam nutzen können” ? Lag es da nicht auf der Hand, daß ich eines Tages bei den Eltern meiner Angebeteten vorsprach, um eine Hochzeit anzukündigen. Denn, so eine perfekte “Fotografin” kann man sich doch nicht durch die Lappen gehen lassen, oder?
Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, die Leica M3 des Schwiegervaters war bei meiner Entscheidung keinesfalls Ausschlaggebend! Aber wie groß war dann die Freude, als meine frisch angetraute als “Hochzeitsgeschenk” von ihren Eltern ebendiese “alte” M3 geschenkt bekam…
Es blieb später nicht bei dieser “alten” Leica M3. Dagmar ist bis heute dieser Marke treu geblieben, allerdings ist die “Zahl am Ende” merklich größer geworden.
Die Qualität ihrer Bilder ist damit noch weiter von meiner entrückt, als je zuvor…
Aber egal, ist es nicht schön mit jemandem verheiratet zu sein, der das selbe Hobby hat, wie man selbst? Und der absolutes Verständnis hat, für ein neues Makro-Objektiv… “weil das alte einfach nichts mehr taugt“.
Copyright-Hinweis:
Die Fotos der hier abgebildeten Labor-Chemikalien entstammen dem Internetauftritt der Firma Tetenal | Alle Rechte liegen selbstverständlich beim Urheber. Ich bedanke mich bei Tetenal für die freundliche Genehmigung.
Hi Pepe,
dein 6. Kapitel ist eine “Lovestory”! Ich kann es nicht anders beschreiben.
Natuerlich lese ich gleich immer alles zweimal durch – dein Schreibstil ist einfach fesselnd und diesmal, hach, richtig schoeeen. Ich wusste gar nicht, dass Dagmar auch so von der Fotografie begeistert ist – ihr seid einfach ein Klasse Team!
bis bald
Suse
Hi Suse,
ach wenn das doch bloß mein alter Deutschlehrer, Dr. Neises, lesen könnte…
Der hat immer gesagt:
“Pepe, Pepe, aus ihnen wird nie was Vernünftiges werden! Sie können ja nicht einmal die einfachsten Vorgänge in Worte fassen…”
Anscheinend hats nur wesentlich länger gedauert, als bei normalen Menschen
mfG
pepe