Pepes Memoiren – 5. Eigene Negativentwicklung

JOBO Film-Entwicklungstankpepes ”wahre” Foto-Geschichte, zusammengefaßt in 10 Akten

Wenn man sich “zu meiner Zeit” mit der Fotografie wirklich auseinandersetzte und richtig gute Fotos erzielen wollte, so lag es nahe, sich nicht auf die Arbeit von Anderen zu verlassen, sondern auch die kleinste Kleinigkeit selber in Händen zu haben. Nachdem also die Kamera vorhanden war, Objektive mittlerweile auch die Universal-Kameratasche deutlich mit Gewicht belasteten, stand der nächste Schritt bevor. Die eigene Negativentwicklung.

Weiß der Himmel wieso, aber irgendwie war ich nicht mehr so recht zufrieden. Trotz bester Kamera und Objekttivtechnik fehlte etwas… das letzt Quäntchen Perfektion! Was, wenn das schon unmittelbar nach dem Schuß verloren ging, in dem Moment, wenn der Film die eigenen Hände verließ und dem freundlichen Foto-Drogisten von Nebenan überlassen wurde… Um Gottes Willen, nicht auszudenken !

Also wurden wieder Kataloge gewälzt… dieses mal waren es aber nicht ganz so viele, denn eigentlich waren außer Kodak und Agfa nur noch Ilford und JOBO im Rennen. Trotzdem eine schwierige Entscheidung. Denn das wenige Taschengeld ging schon für den Kauf von Filmen fast drauf. Eine Anschaffung war für Jahre zu treffen und es sollte schon das Beste sein, was von dem verbliebenen “Guthaben” möglich war. Mit einer großzügigen ”Spritze” des Vaters und einigen Jobs vor und nach der Schule war es dann endlich so weit.

Bei Insidern bestens bewertet war – wegen einiger innovativer Ideen - die Firma JOBO… also dann. Die Entscheidung war getroffen.

Nun gin es daran, die erforderlichen Laborgeräte zusammenzustellen und ein Eckchen im Haushalt der Eltern zu finden, in denen so eine – wie Mutter sagte – Sauerei am wenigsten stören würde. Dunkel sollte es sein, um den Film aus der Patrone in die Entwicklungstrommel zu bekommen, Wasseranschluß für die diversen chemikalischen Vorgänge war zwingend… also was lag da näher, als das heimische Badezimmer umzufunktionieren.

Als Fürsprecher war Gott sei Dank mein Vater hilfreich zur Stelle, der dank seiner drogistischen Ausbildung jedes Verständnis für “seinen” Jungen aufbrachte. So wurde aus der “Sauerei” plötzlich eine “kreative Arbeit, die für den schulischen Werdegang durchaus förderlich ist”. Na das hörte sich gleich ganz anders an, oder?
Danke Papa, nach all den vielen Jahren… ;-)

Natürlich war ein spontaner EInsatz in “meinem Labor” nicht möglich… denn das Bad beinhaltete auch die einzige Toilette unseres Haushaltes. Wenn also die Entwicklung von Filmmaterial anstand, war also ausreichen zuvor ein verbindlichen ”Einsatzplan” bekanntzugeben, sodaß sich andere Familienmitglieder schon “mental” auf das bevorstehende Ereignis einstellen konnten.

1 Tag vorher war also klar: “Der Junge muß morgen mal für 1 Stunde ins Labor…”

2 Stunden vor der Aktion, ein 2. Aufruf. Die weiblichen Familienangehörigen wurden sichtlich nervös… “aber jetzt kann ich doch noch nicht, was soll ich denn machen???”
Na was wohl :-)

Diese Aufregung führte in den kommenden 120 Minuten zu einem erheblich stärkeren Harndrang als “zu Kriegszeiten”, sodaß ich meine Laboraktion schon glaubte, abhaken zu müssen…

Aber dann, zur vereinbarten Zeit – alle Gerätschaften in meinem Laborkarton waren schon 10 mal auf Vollständigkeit geprüft – war es soweit.

Das Bad war MEIN!!! Oh Himmel, wieso wollte nur diese Wolldecke nicht vor dem kleinen Badezimmerfenster hängen bleiben? War es auch wirklich 100% dunkel?

Gerade hatten sich meine Augen an diese Dunkelheit gewöhnt… wirklich dicht alles… da klopfte es an die Badezimmertür, das Licht wurde eingeschaltet – verdammt, der Schalter war außen und ich hatte vergessen, die Glühlampe über dem Waschbecken auszuschrauben – da kam die gewohnte Frage von Mutter schon: “Hallo Junge, ist auch alles in Ordnung? Es ist so still da drin !!!”

Herr laß Abend werden, wieso haben Mütter sooo wenig Verständnis für solche lebenswichtigen Vorgänge wie das Entwickeln von Filmen???

Na, irgendwann war es dann so weit, die neu belichteten Filme waren in den Filmspiralen eingefädelt und in der Entwicklungstrommel angekommen. Nach einigem Fummeln auch der Trichter-Deckel sauber aufgesetzt… das Schlimmste war erledigt.

Jetzt konnte wieder das Licht eingeschaltet werden. Alles Weitere konnte beruhigt im Hellen passieren, denn die gut durchdachten Entwicklungsdosen mit ihrem raffinierem Ein- und Ausfüllsystem von JOBO waren perfekt und zuverlässig gefertigt worden.

Die bereits zuvor angesetzten Entwicklungsflüssigkeiten wurden in exaktem Zeitablauf eingefüllt und gewechselt, zwischenzeitlich mit geübten Handbewegung wurde die Dose gekippt und wieder abgesetzt – immer ein Auge auf der Laboruhr mit dem großen Zeiger – es kam auf die Sekunde an!

Zumindest habe ich das damals so gesehen, denn ich war bestrebt nach dem “best möglichen” Ergebnis…

Stopbad und Wässerrung wurden peinlich genau gehandhabt, denn was nützt die beste Entwicklung, wenn die nicht im richtigen Moment beendet wird. Und das vollkommen. Ja ich war genau damals, sehr genau… und bin es auch heute noch bei allen technischen Vorgängen. Vielleicht bin ich ja so geworden, durch die Beschäftigung mit meinem Fotohobby, wer weiß?

Trocknung war auch nicht so ohne, denn das mußte zumindest in den ersten Minuten nach der Wässerung ebenfalls noch im Bad erfolgen… nur, daß da schon wieder der weibliche Teil “unbedingt mal schnell eben mußte”… wieso muß Toilettenpapier eigentlich dermaßen Fussen und Stauben beim Abreißen???

Aber dann wars endlich geschafft… Ab mit dem fertigen Film ins eigene Zimmer – klar, mit Nierentisch und Tütenlampe - die restliche Trocknung erfolgte auf der provisorisch gezogenen “Wäscheleine”, die zwischen Gardienenstange und Deckenlampe gespannt war.

Angeblich soll ich in den Stunden nach meinem “Laboreinsatz” so wenig geatmet haben, daß die Familie sich Sorgen um meine Gesundheit gemacht hat, heißt es… aber das war sicher übertrieben. Allerdings ist es richtig, daß ich alles vermieden habe, was meine Filmschätze hätte mit Staubpartikeln “versauen” können.

Dann Schneiden zu 6er Einheiten, einfädeln in die bereitgelegten säurefreien Aufbewahrungstaschen…. puh, der zweite Schritt war getan.

Besser hätte niemand meine Filme entwickelt, da bin ich mir heute noch sicher!

Auf der Suche nach Informationen, ob und wo man denn heute wohl Laborzubehör würde kaufen können, bin ich doch tatsächlich über eine äußerst interessante Internetadresse gestolpert. Nach so vielen Jahren immer noch… JOBO :-)

JOBO FilmklammernJOBO FilmspiralenJOBO Bildzangen

Und wie habe ich mich erst gewundert, all die lieben Erinnerungen FAST GENAU SO und mit exakt den alten Sereinnummern – ich würde schwören – wiederzufinden.
Ja gutes Laborgerät aus meiner Zeit kann man eben kaum verbessern… zumindest heute nicht mehr, in einer Zeit, in der niemand mehr weiß, was man mit so liebevoll erzeugten Negativen für Vergrößerungen machen kann. Digital ist heute Trend :-(

Ich werde jedenfalls in den kommenden Tagen mal in den Keller gehen und ein paar alte Umzugskartons öffnen… irgendwo da müssen sie doch noch zu finden sein, meine sorgsam aufbewahrten Laborutensilien von damals.

Die roten JOBO-Deckel sind unverkennbar und ich zweifle keine Sekunde, daß die noch genauso dicht schließen, wie vor fast 40 Jahren.

Kategorie: Pepes Memoiren
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Es liegen bisher 3 Reaktionen auf diesen Beitrag vor:

  1. Mensch Pepe, du hast deine Negativentwicklung wieder so spannend beschrieben. Als ich all dies vor 2 Jahren im College hier nocheinmal lernen musste, ging es leider nicht so lustig zu. Unsere Dunkelkammer war ein 1m2 grosser/kleiner Raum (eigentlich ausreichend wenn man allein drinsteht, aber wenn der Lehrer dann auch noch mit rein muss, wurde es kritisch). Hach, das erinnert mich wieder daran, dass ich meine Filme nie richtig auf die Spule bekommen habe und grundsaetzlich Stunden in der Dunkelkammer verbracht habe. Warscheinlich ist das auch mit Grund, warum ich nun alles digitalisiert habe.
    Mit der Beschaffung dieses Materials sieht es heute allerdings schlecht aus, es gibt nur noch ganz wenige Firmen, die ueberhaupt noch Chemikalien, Filme und Fotopapier vertreiben. Ich denke es ist nur noch ein Frage der Zeit, wann auch diese Firmen die Produktion einstellen. Schade eigentlich.

    liebe Gruesse
    Suse

  2. Hallo Pepe,
    du bist ein wahres Schreib-Ass, die Art zu formulieren gefällt mir sehr.
    Ich habe nie mit Dunkelkammer, Negativen usw. zu tun gehabt, also diese Technik beherrsche ich in keinster Weise.
    Trotzdem fand ich es sehr interessant zu lesen.
    Zwischenbericht: mit dem phpwcms komme ich irgendwie nicht weiter.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend.
    Herzliche Grüsse,
    Cor

  3. Hi ihr 2 treuen Leser…

    danke für die freundlichen Worte, anscheinend kann man sich tatsächlich etwa vorstellen, wie das “damals” so ablief bei pepe…

    Erstaunlich finde ich, daß eben “meine damaligen Firmen” immer noch auf dem Markt sind… der Rest ist tatsächlich so langsam ausgestorben. Meine damaligen Entscheidungen scheinen also richtig gewesen zu sein.

    ILFORD – TETENAL – JOBO – LEITZ/LEICA – NIKON

    Na Voigtländer ist zwar – dem Namen nach – auch noch im Rennen… aber anscheinend hat man da nur den Namen gekauft um ihn im Ausland vermarkten zu können, wirklich schade :-(

    Gerade hab ich meine VOIGTLÄNDER “Bessamatic” in Händen – blank poliert und einsatzbereit – vom Gewicht nur noch mit so Bombern wie NIKON vergleichbar. Profiliga eben… Da bekommt man schon “glänzende Augen”.

    Wieso haben die Voigtländer-Bosse da bloß so gepennt???

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