Pepes Memoiren – 3. Blitz und Donner…
pepes ”wahre” Foto-Geschichte, zusammengefaßt in 10 Akten
Eine fotografisches Schmankerl der damaligen Zeit stammt aus dem Bereich der Blitzlicht-Fotografie, welches ich den jüngeren Lesern von pepesBLOG nicht vorenthalten möchte.
Abhängig von den damals noch recht lichtschwachen Objektiven und ebensolchen Filmen, war künstliche Beleuchtung beim Arbeiten in Räumen natürlich zwingend erforderlich. Und – wohlgemerkt – 12-15 DIN Filmenpfindlichkeit ist wirklich nicht viel, will man Menschen verwacklungsfrei auf Rollfilm bannen.
Die Lösung war das Blitzlichtgerät… und dieser Name war durchaus gerechtfertigt!
Nicht etwa ein kleines elektronisches Kästchen mit verbüffender Lichtleistung war angesagt… Nein, die Sache erinnerte wirklich an einen keinen Zauberkasten… und war ebenso geheimnisvoll wie “gefährlich” und deshalb für uns Kinder absolut tabu.
Sollte 1953 z.B. die feierliche Stimmung unter dem Weihnachtsbaum auf ein Foto gebannt werden, so spielten sich die Vorgänge etwa nach folgendem Ritus ab.
Vater baute sein Stativ in passender Entfernung vor dem Baum auf, während Mutter die Kinder um sich scharrte und vor dem Baum “in Stellung” ging. Die Kamera war zwischenzeitlich auf dem Stativ befestigt und penibel ausgerichtet, Entfernung und Blende sorgfälltig eingestellt worden… die Stimmung stieg!
Nun wurde dieses geheimnisvolle Wunderkästchen aus seinem schützenden Karton entnommen, aufgeklappt und auf die horizontale Schale eine exakt abgestimmte Menge eines geheimnisvollen Pulvers gestreut… je größer der Raum um so mehr dieses Wundermittels kam auf die “Blitz-Pfanne”!
Während Vater nun probeweise das Gerät mehrfach mit der linken Hand über die Kamera hielt und damit gleichzeitig in die Richtung Motiv zielte… wurde Mutter zusehend unruhiger. Diese Unruhe wurde von den anwesenden Kindern natürlich bemerkt und führte zu einem unweigerlichen Drang, die Toilette besuchen zu müssen, was – gezwungenermaßen – von Mutter befürwortet und auch durchgesetzt wurde.
Die Stimmung näherte sich dem Höhepunkt, als dann auch noch das Licht ausgeschaltet wurde… Nur die wenigen Kerzen am Weihnachtsbaum ließen Vaters weiteren Handlungen erahnen. Großmutter murmelte ein kurzes Gebet.
Vater öffnete nun den Zentralverschluß der Kamera, hob den Arm mit dem “Blitzgerät” … ein letzter prüfender Blick wie vor einer Sprengung. Ein schnippendes Geräusch wie von einem Wegwerffeuerzeug beim “Zünden”… und W-A-M-M-M-M !!!
Gleißende Helle umgab uns. Ein unangenehmer, beißender Geruch verbreitete sich im Raum. Kinder und Mutter rissen die Augen auf, mancher hielt sich die Ohren zu…
Nach einer Sekunde versiegte die Helligkeit langsam. Totenstille im Raum!
Das Licht wurde wieder eingeschaltet. Etwas nebeliges schwebte drohend im Raum. Ein höllischer Geruch stach in Nase und Lunge… Großvater hustete (mehr noch als sonst!). Mutter riss das Fenster weit auf. Eiseskäte durchströhmte den Raum.
Vaters strahlendes Gesicht jedoch deutete es an… Das Bild haben wir im Kasten!
Ich bewunderte Vater damals immer dafür, wie er mutig dieses Magnesium-Feuerwerk entfachte, welches eher an bengalische Beleuchtung als an Blitzfotografie erinnerte. Mutter wohl weniger, denn am anschließenden Tag – 4 bis 5 dieser Aktionen folgten noch am selben Abend – war “Hausputz” angesagt. Kein Wunder, denn der abgebrannte Magnesiumrauch legte sich gnadenlos auf alles, was im Raum war!
Vorteil dieser “riesen Sauerei” war die immense Lichtausbeute, die mit elektronishen Blitzen der heutigen Zeit nicht erreicht werden und die weiche Beleuchtung eines großflächigen, “langsamen” Blitzes, denn die “Stichflamme” bei der Zündung war nicht unerheblich und bescherte weniger Schlagschatten.
Angemerkt muß allerdings werden, daß Vaters drogistische Geheimkünste, natürlich ausgenutzt wurden, um aus einem “Serien-Blitzpulver” – durch Beifügen einiger bis heute geheimen Ingredientien – die Wirkungsweise um ein beträchtliches Maß zu “verbessern”. Die Wirkung muß bei den Erwachsenen den Eindruck einer nahenden Invasion hervorgerufen haben…
Mich jedenfalls hat das immer fasziniert und ich denke gerne an diese echten “Highlights” zurück. Vielleicht ist damit ja auch begründet, daß ich heute (fast) ausschließlich ohne Blitz fotografiere.
Denn… diese kleinen, eingebauten Spielzeugblitze können Vaters Magnesium-Blitz-Gerät von 1953 das Wasser nicht reichen… nie im Leben
Boahr! Mir ging beim Lesen deines sehr spannend geschriebenen “Berichts” regelrecht der Kiefer auf, lol! Leider habe ich so eine Blitzaktion niemals miterleben duerfen/muessen aber nun kann ich mir vorstellen, wie aufregend soetwas fuer Kinder sein muss.
Na zu soetwas am Weihnachtsabend kann man wirklich nur sagen: schoene Bescherung!
Aehm, wann gibt’s den 4. Teil????
neugierige Gruesse
Suse
Hi Suese,
ja, spannend war “meine fotografische Kindezeit” schon sehr. Und weil man sich so etwas heute wohl kaum vorstellen kann… deshalb schreib ich’s auf.
Besonders schön, wenn’s dann auch gelesen wird
Die nächste kleine Story aus meiner Erinnerung handelt von meiner ersten Spiegelreflex-Kamera… ist auch schon im Kasten, nur die Fotos fehlen noch.
Schau doch einfach wieder mal rein, denn
man liest sich im Internet
pepe
Hallo Pepe,
unglaublich was da an Weihnachten passierte und du hast es so spannend geschrieben.
Hat mir gefallen!
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Cor