Pepes Memoiren – 2. Aufstieg in höhere Sphären
pepes ”wahre” Foto-Geschichte, zusammengefaßt in 10 Akten
Etwa 6-7 Jahre war ich alt, als mein Vater mir dann einen Aufstieg in bis dahín ungeahnte Höhen fotografischer Möglichkeiten bescherte… ich bekam seine alte Voigtländer BESSA vermacht, mit Compurverschluss, die mich dann viele Jahre begleiteten sollte.
(Er selber war auf eine 24x36mm umgestiegen… weil moderner.)
Die BESSA war schon eine vollkommen andere Liga. Die heute üblichen Blenden und abgestufte Zeiteinstellungen, verbunden mit einer richtigen Entfernungs-Einstellskala in Metern luden zum Experimentieren ein. Jetzt war Tiefenschärfe endlich wirklich beherrschbar und konnte zur Gestaltung der Bildkomposition verwendet werden.
Neben einem Prismensucher war noch ein ausklappbarer “Sportsucher” in Form einer Durchsichtsmaske vorhanden, um “schnelle” Bewegungsvorgänge leichter zu erfassen.
Das Metallgehäuse mit seiner “echten Belederung” seiner sauberen Klappmechanik und seinem “immensen” Gewicht übte schon damals einen besonderen Reiz auf mich aus. Ich kam mir vor wie im fotografischen Himmel.
Wer heute mit so einem winzigen Plastik-Kamerachen der Digitalabteilung unterwegs ist, wird dieses Gefühl niemals auch nur annähernd erahnen können… oh du armer “Neuzeitmensch”
Die Sache mit der Tiefenschärfe ließ sich nun ganz einfach bei geöffneter Kamera und eingeklebtem Butterbrotpapier erlernen und experimentell überprüfen. Wobei ich im Moment überlegen muß, ob diese Experimente nicht doch mit Vaters Plattenkamera gemacht wurden, einer LINHOF 18 x 24cm! Oh Herr was war das erst für ein Gerät! Aber das ist eine vollkommen ander Geschichte…
Der heutige Amateur kann sich nicht vorstellen, was man mit so einem relativ einfachen Kistchen wie “meiner” BESSA, einiger Überlegung, einem 12DIN Film von ADOX und einem von Vater angesetzten Negative-Entwickler erreichen konnte.
Gute Dunkelkammern waren damals ausgesattet mit Focomat-Vergrößerungsgeräten von LEICA. Untadelige Boliden der Feinwerktechnik mit perfekten Objektiven. Einfach unerschütterliche und nicht mehr erreichbare Qualität made in Germany. Träum…
Das kartonstarke BromSilber-Papier aus “echtem Papier”, ausreichende Fixierung, lange Wässerung und ein Monstrum von Hochglanz-Trockenpresse, welches ich wohl damals nicht allein hätte bedienen können, waren sicherlich mit entscheidend.
Auf jeden Fall waren das Fotos von unendlichem Graustufenumpfang. Einfach traumhaft und nie wieder erreicht. Von der sattesten Schwärze bis zum “weißesten” Spitzlicht… es war alles da. Und das, dank beschriebener Fixierung und Wässerung für viele viele Jahre.
Wer Bilder von Ansel Adams kennt, wird vielleicht erahnen können, was ich meine… ohne mich mit diesem Giganten der BW-Fotografie auf eine Stufe stellen zu wollen
Aber das war die Richtung. Und da ich mitten im Ruhrpott lebte, waren reichlich tolle Motive vorhanden, die in BW ideal zu machen waren. Die vielen Schlote der Zechen und der regelmäßig auftauchende Kaminkehrer, der noch richtig “schwatt” war, von seiner Arbeit… herrliche Zeiten für echte BW-Fotografen :-)
Auch hier wieder… muß ich den Beweis leider schuldig bleiben
Nicht, daß sie verblasst wären, meine “Meisterwerke”, oder gar wellig geworden vom Hängen… undenkbar ! Irgendwann auf meinem langen fotografischen Weg haben sie einfach das Zeitliche segnen müssen.
Um Platz zu machen für neuere Errungenschaften fotografischen Einfallsreichtums.
Schade eigentlich… wie gerne würde ich sie mir heute noch einmal ansehen!
Copyright-Hinweis:
Das Foto der hier abgebildeten und aus der Erinnerung beschriebenen Voigtländer BESSA entstammt dem Internetauftritt von schoebels-voigtlaender-archiv.de | Alle Rechte liegen beim Urheber. Ich bedanke mich bei Herrn Heinz Schöbel für die freundliche Genehmigung.
Also so richtig vorstellen kann ich mir’s ja nicht, wie man aus so einem “Ding” Bilder rausbringt, dennoch faziniert es hier aus erster Hand zu lesen und zu staunen.
Das Gefuehl jedoch, eine “richtige” Kamera mit ordentlich Gewicht in der Hand zu halten kenne ich auch. Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen mit so einer kleinen Digiknipse durch die Gegend zu laufen – sie sind so leicht, da verwackelt bei mir alles.
Die Fazination in der Dunkelkammer und der Entwicklungsprozess – das kenn ich auch
Ansel Adams – ja, den haette ich auf seinen Fototouren gerne mal begleitet und ueber die Schulter geschaut.
Suse